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Natur(a)-Erlebnisweg Westerzgebirge

Abschnitt 6: Von Schönheide nach Eibenstock

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Natur(a)-Erlebnisweg Westerzgebirge
Abschnitt 6: Von Schönheide nach Eibenstock

Wanderroute (ca. 6 km, ca. 2 Stunden):
Schönheide Rathaus – Friedhof – Schönheiderhammer – Heiterer Blickweg – Eibenstock Marktplatz

Naturbesonderheiten (Auswahl):
FFH-Gebiet „Bergwiesen um Schönheide und Stützengrün“
FFH-Gebiet „Oberes Zwickauer Muldetal“
Triftweg bei Eibenstock
Alte Buchen am Buchenweg
Naturschutzgebiet „Am Riedert“
Naturschutzgebiet „Moore südlich von Schönheide“
Knock in Schönheide

Themenwege:
Themenweg 6: „Rund um den Knock bei Schönheide. Von Bäumen, Sträuchern, Wiesen und Mooren.“ (Startpunkt am Rathaus in Schönheide)

Sehenswertes (Auswahl):
Eibenstock
Stickereimuseum Eibenstock

Einkehr/Übernachtung (Auswahl):
Hotel Ratskeller, Eibenstock (ratskeller-eibenstock.de)
Hotel Am Bühl, Eibenstock (hotel-blaues-wunder.de)
Hotel und Restaurant „Bühlhaus“, Eibenstock (hotel-buehlhaus.de)

Rückweg (ca. 11 km, ca. 3,5 Stunden):
Eibenstock Marktplatz – Winklerstraße – Triftweg – Rautenkranzer Straße – NSG „Am Riedert“ – Altes Wiesenhaus – Hammergockel – Lindenstraße – Schönheide Rathaus

Karte Abschnitt 6

Wegbeschreibung

Wir gehen am Rathaus von Schönheide den Rathausberg hinauf in Richtung Friedhof. Am Ende des Friedhofs treffen wir auf den Wanderweg mit dem grünen waagerechten Strich, der uns nach Schönheiderhammer führt. Hier überqueren wir die Zwickauer Mulde und laufen etwa 200 Meter auf der Bundesstraße in Richtung Klingenthal, ehe wir nach einem einsam stehenden Haus nach links auf den Heiteren Blickweg abbiegen, der uns bis zum Ortseingang von Eibenstock führt. Im Ort selbst gehen wir erst auf der Auerbacher Straße, dann auf dem Brühl und dann auf der Bürgermeister-Hesse-Straße weiter und haben auch bald den Marktplatz im Zentrum der Stadt erreicht.

Beschreibung Rückweg

Wir gehen vom Marktplatz aus die Winklerstraße entlang und kommen zum alten Triftweg, der von den Einheimischen auch als „Kiehgass“ bezeichnet wird. Zwar ist er schon etwas verwachsen, aber trotzdem vermittelt er uns ein recht anschauliches Bild

Triftweg Eibenstock

über die zur damaligen Zeit weit verbreiteten Triftwege, die in anderen Orten auch als „Viechzig“ – einer solchen sind wir ja schon in Hundshübel begegnet – und in anderen Regionen als Weidgassen bezeichnet wurden. Er führt uns, wie ehemals das Vieh, direkt in die Waldweidegebiete von damals, die durchaus einen Besuch wert sind, auch wenn von der ehemaligen Nutzungsform Waldweide dort keine Spuren mehr zu finden sind. Der Triftweg führt uns dann noch kurze Zeit am Waldrand entlang, ehe wir direkt in den Wald hinein gehen, das Kreuzel erreichen und dann auf der Rautenkranzer Straße (grüner waagerechter Strich) weiterwandern. Wir durchqueren dabei das Naturschutzgebiet „Am Riedert“ und biegen etwa 500 Meter danach rechts auf den Weg zum Alten Wiesenhaus ab. Dort überqueren wir die Zwickauer Mulde, laufen etwa 700 Meter die Bundesstraße in Richtung Klingenthal entlang und sehen dabei einige durchaus interessante Muldewiesen, die zum FFH-Gebiet „Oberes Zwickauer Muldetal“ gehören. Dann biegen wir nach rechts in den Wald in Richtung Schönheide ab und laufen den Weg Hammargockel entlang. Nach Verlassen des

Muldetal bei Schönheide

Waldes bieten sich schöne Ausblicke ins Muldetal, nach 500 m biegen wir nach links ab, werden begleitet von einer schönen Hecke, rechts sehen wir den Knock liegen. Wir laufen immer geradeaus, bis wir Schönheide erreicht haben, halten uns an die Lindenstraße, gehen die Schulgasse hinunter, erreichen die Hauptstraße und sind im Zentrum der Gemeinde angelangt.

Besonderheiten

Waldweide

Die Waldweide hat für unsere Vorfahren von der Besiedlung bis zu deren Verbot in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine enorme Rolle gespielt, heute ist sie fast vergessen. Deshalb seien hier einige Fakten über die Waldweide in Eibenstock aufgeführt, wo man beispielsweise im Jahr 1744 542 Stück Vieh einschließlich 106 Ziegen in den Wald trieb. Weidegebiete waren der Ellenbogen, die Wintergrün, die Heckleithe, der Mühlberg, der Krünitzberg und die Plentherleithe. Die Herden standen unter der Betreuung von 4 Hirten, wobei jedes Stadtviertel seinen eigenen Hirten hatte, der die Herde auf den Viehtriften alltäglich dem Walde zuführte. 1853 ertönten zum letzten Mal die Kuhglocken in den Wäldern. Bis dahin gab es über Jahrhunderte hin einen erbitterten Kampf zwischen den Forstbediensteten und der Gemeinde um die Fortsetzung des Weiderechtes. Noch Jahre danach trauerte man sicherlich mit Berechtigung diesem Privileg nach. Dazu eine Passage aus „Eibenstock und seine Umgebung“ von Otto Findeisen (1860-1937), einem Eibenstocker Lehrer und Heimatforscher, aus dem Jahr 1905:
„...Die Herren von Tettau ... hatten der Gemeinde das Recht zugestanden, 622 Stück Vieh in den Wald zur Hutung treiben zu dürfen. ... Infolgedessen war es auch dem ärmsten Manne möglich, sich eine Kuh halten zu können und von ihr Milch und Butter für seinen Haushalt zu gewinnen. ... und mochte auch das Vieh hie und da durch das Niedertreten junger Baumpflanzen Schaden verursacht haben, so gilt doch heute noch der Ausspruch des Oberförsters Angermann: ‘Das Vieh ist der Gärtner des Waldes.’ Wo das Vieh trieb, da gediehen die Forsten besser, der Dünger kam auch den Waldbäumen zugute, das üppig wuchernde Waldgras, welches oft die jungen Pflanzen erstickt, fand seine richtige Bestimmung, und in letzterer Zeit hat sich ganz besonders gezeigt, dass seit Aufhören der Hutung der Borkenkäfer erst recht nebst anderen forstschädlichen Insekten überhand genommen hat, indem sonst durch Festtreten des Bodens durch das Vieh diese Insekten nicht so überhandnehmen konnten...“
Bei den Forstleuten als Angestellte der Landesherren hörte sich das natürlich völlig anders an. Unter dem Motto „Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing“ wurde von dieser Seite über die verheerenden Auswirkungen des Viehs auf den Wald geklagt, der Wald sei wie ausgekehrt, Unterwuchs kaum vorhanden, Waldverjüngung finde nicht mehr statt.
Für die Landesfürsten spielte natürlich der Rohstoff Holz als Einnahmequelle und vor allem die Jagd die erste Geige und so war das Vieh der Bauern und Häusler ein lästiger Konkurrent für die königlichen Hirsche und Rehe. Hinzu kam, dass der Rohstoff Holz durch die vielfältigen gewerblichen Nutzungen, die viel gravierendere und großflächigere Beeinträchtigungen des Waldes zur Folge hatten als die die Viehweide der Dorfbewohner, sehr knapp geworden war. Sei es, wie es sei, die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte und es gab sicher auch große örtliche Unterschiede, je nachdem, wie intensiv die Weide betrieben wurde.
Diese Interessenskonflikte erinnern einen irgendwie fatal an die Auseinandersetzungen in der heutigen Zeit, in der es allerdings nicht mehr um das Nutzvieh geht, sondern in dem nun die eigentlichen Bewohner des Waldes, die Hirsche und Rehe, selbst in die Schusslinie geraten sind und zum Wohle des Waldes gewaltig Federn lassen müssen. Aber darauf kommen wir gleich noch zu sprechen.
Weidbuchen, also Buchen, die aufgrund des ständigen Verbisses durch das Weidevieh in ihrer Jugend einen besonderen Habitus ausbilden, sind in unserer Region nicht bekannt. Am Dönitzgrundweg, etwas oberhalb der Abzweigung des Heckleithenweges,

Buchenweg Eibenstock

befindet sich der Buchenweg, an dem noch einige Prachtexemplare von Buchen zu finden sind, die um die 200 Jahre alt sein sollen und bei denen es nicht ausgeschlossen ist, dass sie die letzten Jahre der Waldweide noch miterlebt haben. Leider können sie uns dazu nichts mitteilen.
Auch die Neunstämmige Buche, ein Naturdenkmal an der Schwarzenberg-Bockauer-Straße unweit des Schwarzenberger Stadtteils Heide, an der wir auf dem Themenweg 14 „Zwischen Lauter und Schwarzenberg. Von Wäldern, Wiesen und naturnahen Bächen“ vorbeikommen, könnte ihre eigenwillige Gestalt dem Verbiss durch Vieh im Jugendstadium zu verdanken haben. Sie steht zwar in der Feldflur, aber in unmittelbarer Nähe der früheren Waldweidegebiete von Schwarzenberg Ratsförstel und Hohe Henne. Klar ist das aber nicht, es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung der außergewöhnlichen Gestalt dieses Baumveteranen.

Naturschutzgebiet "Am Riedert"

Naturschutzgebiiet "Am Riedert"

„Von heiliger Ehrfurcht durchdrungen, begebe ich mich in iene dunkele Waldung, die Wohnung bejährter Buchen und zahlreicher Tannen. Die alten Teutschen wagten sich mit einer abergläubischen Furcht in die Wälder und Hayne, weil sie glaubten, daß die Götter darinnen wohneten. Wir glauben, daß der allgegenwärtige Gott sowohl auf den Bergen als auf der Ebene, sowohl in Wäldern als auf dem freyen Feld wohne. Hier in diesem Walde umfangen mich die kühlen und erquickenden Schatten: Ich will ein wenig stille stehen und meinen Schöpfer in den Bäumen bewundern.“
Gotthelf Friedrich Oesfeld (1735-1801), „Betrachtungen über die Herrlichkeit Gottes im Gebürge – nebst einer Anweisung über die Heiligung unserer Spaziergänge“, 1767

„Die Erde ist voll der Güte des Herrn; und durch dieses grosse Triebrad der ganzen Schöpfung, bewegen sich auch die Thiere des Waldes. Dort springt das muntere Reh auf; hier durchstreicht der schüchterne Hirsch das Gestäuch; dort hüpfet das Eichhorn von einer Tanne zur andern.“
Gotthelf Friedrich Oesfeld (1735-1801), „Betrachtungen über die Herrlichkeit Gottes im Gebürge – nebst einer Anweisung über die Heiligung unserer Spaziergänge“, 1767

Bei einem Gang durch das Westerzgebirge ist unschwer festzustellen, dass die Fichte dominiert und das wird auch noch einige Zeit so bleiben, denn der Waldbau oder Waldumbau ist bekanntlich ein zähes, langwieriges Geschäft. Schaut man sich aber den prächtigen Unterwuchs gerade der Wälder um Eibenstock an, so wird deutlich, wohin die Reise gehen soll: zu gemischten Wäldern, in denen Buche, Tanne und Fichte dominieren und das ist nur zu begrüßen. An den Jungbäumen sieht man in vielen Bereichen keinen Verbiss mehr. Erreicht wird dies durch eine rigorose Bejagung des Schalenwildes und hier beginnen auch unsere Bedenken, ob dies in diesem Ausmaß wirklich notwendig und gut ist oder ob wir hier nicht vom Regen in die Traufe fallen. Keiner will zu den völlig überhöhten Wilddichten wie zu DDR-Zeiten zurück, die es in dieser Region gab, als eine Waldverjüngung keine Chance hatte. Aber Waldumbau um jeden Preis ist vielleicht auch nicht die ideale Lösung. Solche Forderungen, die dabei aufgemacht werden wie beispielsweise Bejagung im Mai und Juni in Waldumbauschwerpunkten und Beseitigung von traditionsgeprägten Hemmnissen wie der Nachtjagd sind in unseren Augen weit überzogen. Sie lassen, bei allem Verständnis für das Engagement für den Waldumbau, den Verdacht aufkommen, dass man den Bogen überspannt und das Verhältnis von Wald und Wild ziemlich einseitig sieht. Und so muten einem die Worte von Oesfeld, der offensichtlich Hirsch und Reh als Bewohner des Waldes und Teil der Schöpfung noch beobachten konnte und zum selbstverständlichen Bestandteil unserer Wälder zählte, fast schon wie ein Märchen an. Ein Reh mag einem mit viel Glück vielleicht noch über den Weg laufen, ein Hirsch wohl kaum.
Es gibt erfreulicher Weise dank der Bemühungen einiger Forstmänner, die schon früher den Wald nicht nur als Holzacker sahen, einige Gebiete, die einem auch in der Baumschicht heute schon verraten, wie die Wälder der Zukunft aussehen sollen und dazu gehört das Naturschutzgebiet „Am Riedert“. Prächtige Alttannen und –buchen bestimmen das Bild. Es ist eine Freude, solche Wälder und das reichhaltige Leben in ihnen zu betrachten, wenn da nicht dieser eben erwähnte Wermutstropfen wäre. Das NSG ist 18,50 ha groß und wurde 1961 als für unsere Region typischer Bergmischwald unter Schutz gestellt. Besonders bemerkenswert ist der Bestand an Tannen: 17 Altbäume und 38 Bäume mittleren Alters. Es soll sich um die bestwüchsigen Tannen im Erzgebirge handeln. Die Vogelwelt hält solche Arten wie Schwarzspecht, Hohltaube, Rauhfußkauz und Sperlingskauz bereit.

Rauhfußkauz

Rauhfußkauz / Foto: Jan Gläßer, Grießbach