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Natur(a)-Erlebnisweg Westerzgebirge

Abschnitt 7: Von Eibenstock nach Sosa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Natur(a)-Erlebnisweg Westerzgebirge
Abschnitt 7: Von Eibenstock nach Sosa

Wanderroute (ca. 10,5 km, ca. 3 Stunden):
Eibenstock Zentrum – Bühlbuche – Alte Schneeberger Straße – Wanderweg „Wildes Erzgebirge“ – Sosa Zentrum

Naturbesonderheiten (Auswahl):
FFH-Gebiet „Bockautal“
FFH-Gebiet „Bergwiesen um Sosa“
Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“
Bühlbuche in Eibenstock
Blauenthaler Wasserfall
Hofeteiche bei Blauenthal
Schuleiche in Sosa

Themenwege:
Themenweg 7: „Der Bergflecken Sosa. Auf dem Köhlerweg rund um Sosa.“ (Startpunkt am Parkplatz an der Talsperre Sosa)

Sehenswertes (Auswahl):
Eibenstock
Blauenthal
Sosa

Einkehr/Übernachtung (Auswahl):
Landgasthof „Forelle“, Eibenstock OT Blauenthal (wanderurlaub-im-erzgebirge.de)
Gasthaus und Pension „Zum Schützenhaus“, Sosa (schuetzenhaus-sosa.de)
Pension und Gaststätte „Am Fröhlichgut“, Sosa (am-froehlichgut.de)
Waldgaststätte und Pension Zimmersacher, Eibenstock OT Blauenthal (zimmersacher.de)

Rückweg (ca. 5 km, ca. 1,5 Stunden):
Sosa Zentrum – Auersberger Straße – Wiesenstraße – Eibenstocker Weg – Sosaer Straße – Eibenstock Zentrum

Karte Abschnitt 7

Wegbeschreibung

Wir gehen vom Marktplatz aus die Stadt hinunter, zuerst auf der Bürgermeister-Hesse-Straße, dann Am Bühl und dann auf der Bachstraße, bis wir auf die Schönheider Straße treffen. Hier halten wir uns rechts und nach knapp 100 m zweigt nach links die Haberleithe ab. Wir befinden uns jetzt auf dem Wanderweg mit dem grünen waagerechten Strich, der zum Hotel „Am Bühl“ führt und dem wir jetzt geraume Zeit folgen, bis wir am Ende einer Kleingartenanlanlage auf die Muldenhammerstraße treffen, der wir nach rechts folgen. Nach reichlich 100 m geht links die Bühlstraße ab und bald haben wir den Komplex Bühlbuche, Bühlhaus und Aussichtsturm „Glück Auf“ auf dem Bühl erreicht. Nachdem wir die Überreste der bemerkenswerten Bühlbuche lange genug bestaunt haben, setzen wir unseren Weg fort. Wir gehen die Ludwig-Jahn-Straße hinunter, treffen wieder auf die Muldenhammerstraße, an der wir uns links halten und die uns zur Schneeberger Straße führt. Am Ende des Friedhofs geht rechts die Alte Schneeberger Straße ab und dort beginnt nach wenigen Metern der Wanderweg „Wildes Erzgebirge“, ein relativ neues, 6,5 Kilometer langes Wanderangebot, das uns an solch interessante Orte wie

Blauenthaler Wasserfall

den Toelleschen Graben, den Blauenthaler Wasserfall und die Hofeteiche führt und viele weitere Überraschungen bereithält. Markiert ist der Weg mit dem Maskottchen der Region, dem Wurzelrudi. Nachdem wir das Ende des Weges am Ortsrand von Sosa erreicht haben, gehen wir einfach geradeaus weiter, erst die Fröhlichwiese, dann den Fröhlichweg entlang und landen direkt im Zentrum des Ortes mit Schule, Kirche, einigen hübschen Fachwerkhäusern und der 1817 gepflanzten Schuleiche.

Schuleiche Sosa

Beschreibung Rückweg

Wir starten unsere Wanderung im Zentrum von Sosa und gehen die Auersberger Straße hinauf in Richtung Talsperre. Am Parkplatz biegen wir nach rechts auf die Wiesenstraße ein und laufen dann auf dem Feldweg geradeaus weiter durch die Feldflur. An der nächsten Wegkreuzung stoßen wir auf den mit dem grünen Schrägstrich markierten Wanderweg und laufen geradeaus weiter und kommen nach geraumer Zeit an den mit dem gelben waagerechten Strich markierten Eibenstocker Weg, dem wir nach links folgen der uns bis ins Tal der Großen Bockau führt, etwa 300 m oberhalb vom Zimmersacher. An der Wegkreuzung überqueren wir die Bockau und setzen unseren Weg in Richtung Eibenstock fort. Dort gehen wir am Ortsrand auf der Sosaer Straße entlang, dann auf der Bergstraße immer geradeaus weiter und haben bald das Stadtzentrum erreicht.

Besonderheiten

Die Bühlbuche

Bühlbuche Eibenstock

Bühlbuche im Februar 2008

„Wer fühlt sich nicht, um selbst nur an nahe Gegenstände zu erinnern, anders gestimmt in dem dunklen Schatten der Buchen; auf Hügeln, die mit einzeln stehenden Tannen begrenzt sind; oder auf der Grasflur, wo der Wind in dem zitternden Laube der Birken säuselt? Melancholische, ernst erhebende, oder fröhliche Bilder rufen diese vaterländischen Pflanzengestalten in uns hervor. Der Einfluss der physischen Welt auf die moralische, das geheimnisvolle Ineinanderwirken des Sinnlichen und Außersinnlichen giebt dem Naturstudium, wenn man es zu höheren Gesichtspunkten erhebt, einen eigenen, noch zu wenig erkannten Reiz.“
Alexander von Humboldt (1769-1859), aus Gernot Böhme, „Die Natur vor uns“

Es ist sicher recht verschieden, was Menschen empfinden, wenn sie vor der Bühlbuche oder besser deren Überresten stehen. Aber eines darf man mit gutem Gewissen vermuten: eine kräftige Portion Ehrfurcht ist immer dabei. Dazu braucht man die Geschichte des Baumes, die wir gleich erzählen werden, gar nicht zu kennen. Ihr purer Anblick reicht aus, um zu ahnen, was dieser Baum erlebt hat, mit wie viel Kraft und Ausdauer er im Leben stand, wie er gekämpft hat, bis es dann doch vorbei war.
Der Orkan „Gertrud“ hat die Buche am 20. Mai 2006 schwer getroffen. Schon etwas lädiert durch frühere Stürme war sie der Macht dieses rauen Gesellen, der ihr mit Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometer zusetzte, nicht mehr gewachsen, musste den Kampf mit den Naturgewalten aufgeben und brach förmlich auseinander. Ein natürlicher Tod gewissermaßen, den nur die wenigsten Bäume sterben dürfen, die in der Regel in erheblich jüngeren Jahren der Säge zum Opfer fallen. Es sah jedenfalls alles so aus, als wär’s das gewesen. Aber man hatte die Rechnung ohne die Wirtin gemacht, wieder einmal stellte sie ihre ungeheure Lebenskraft unter Beweis und der stehen gebliebene Rest trieb zum Erstaunen aller wieder aus. Es lebe das Leben, kann man da nur sagen. Umso überraschender kam dann doch der Zusammenbruch. Im Frühjahr 2014 waren nur noch einige Nottriebe zu beobachten und ein Jahr später muss man wohl oder übel zur Kenntnis nehmen, dass der Baum Geschichte ist. Die Ursachen des am Ende doch recht plötzlichen Todes werden wohl im Dunkel bleiben.
Genaues weiß man zwar nicht, aber mehr als 500 Jahre soll die Bühlbuche alt gewesen sein und damit ist sie wahrscheinlich der älteste Baum und vielleicht sogar das älteste Lebewesen im Altlandkreis Aue-Schwarzenberg. Die Bemühungen, den Baum unter Schutz zu stellen, gehen bis ins Jahr 1908 zurück, in dem der Verein Sächsischer Heimatschutz in dieser Richtung vorstellig wurde, aber erst 1941 war es dann so weit. Vor dem einschneidenden Sturmereignis waren die Maße der Buche: Stammumfang über 5,6 m, Höhe 15 m, Kronendurchmesser 18 m.
Otto Findeisen hat uns eine schöne Beschreibung des Baumes und des Standortes geliefert, von dem aus dieser ein halbes Jahrtausend lang einen beträchtlichen Teil unserer Landschaft immer im Auge hatte. In seiner kleinen Chronik von Eibenstock aus dem Jahr 1905 findet er folgende Worte:
„Dieser niedrige, zum Teil bewaldete Hügel ist von der Schulstrasse aus in fünf Minuten auf bequemem Wege zu erreichen. Ihn krönt eine alte Buche, die weithin ihr mächtiges Laubdach ausbreitet und die ganze Gegend in weitem Umkreise beherrscht. Ihr Alter schätzt man auf mehr als 400 Jahre. Der Sage nach soll hier eine Opferstelle der Wenden gewesen sein. Von der Buche aus genießen wir einen prächtigen Rundblick. Jeder ist entzückt über das herrliche Panorama, an dem sich das Auge nicht satt sehen kann. In weitem Kreise umspannen bewaldete, mächtige Baumkegel in stattlicher Anzahl das wellige Hügelland. Zu unseren Füssen breitet sich Eibenstock malerisch aus, dahinter thront links der Auersberg, rechts der Adlerfelsen mit seiner Granitkuppe. Daran schliessen sich der Mühl- und der Krünitzberg. Bei letzterem bietet sich ein reizender Blick nach Westen. Die beiden vorgelagerten Höhen, Krünitzberg und Stützengrüner Höhe senken sich gegeneinander und erschliessen uns die Aussicht auf den dahinterliegenden, langgestreckten und bergansteigenden Marktflecken Schönheide mit seinen vielen Häusern und grossen Fabriken. Rechts davon erhebt sich der Kuhberg, dessen neuer Prinz Georg-Turm deutlich sichtbar ist und bei Sonnenuntergang im Spätsommer ein herrliches Schauspiel bietet. Der sanft ansteigende, breite Bergrücken, welcher sich scharf von dem purpurnen Himmel abhebt, erscheint wie in Feuer getaucht. Der Wald vor ihm leuchtet in tiefdunklem Blau, das wie ein zarter Schleier über die dunklen Waldriesen gebreitet ist. Schneeweisse Wolken mit ihren breiten Goldrändern schliessen das einzigschöne Bild prächtig ab. Die Häuser von Neuheide, die verstreut auf dem Westabhange des Kuhberges liegen, erscheinen uns wie aus einer Spielschachtel aufgebaut.
Weiter nach rechts erblicken wir die ziemlich steil ansteigenden Wände des Muldentales, die auf ihrem waldigen Kamme Häuser von Lichtenau und das Dorf Hundshübel erkennen lassen. Aus dem breiten Talgrunde aber, der sich in der Ferne verliert, winkt uns die idyllisch gelegene Sommerfrische Muldenhammer entgegen. Jenseits der Mulde erhebt sich der Gerstenberg mit seinen zwei Kuppen und fällt schließlich wieder, um uns des Steinbergs wichtige Gestalt in seinem schwarzgrünen, waldigen Gewande schauen zu lassen. Auf breiter Schulter trägt er das hochgelegene Dörflein Burkhardtsgrün. Ostwärts fällt er jäh zur Mulde hinab, während jenseits derselben die Lange Sohle mit dem Buchberge langsam emporstrebt. In der Senke zwischen beiden Bergen eröffnet sich uns ein Fernblick auf Lössnitz und dessen benachbarte Höhen. Rechts der Langen Sohle präsentieren sich uns der Kompassberg und der Ochsenkopf, zu deren Füssen und zugleich zwischen dem Dürrenberg und Hirschknochen sich die weisschimmernden Gebäude der Sommerfrische Sosa zeigen. Ganz in unserer Nähe steigt aus dem Tale der Grossen Bockau der langgestreckte Auersberg empor, dessen Gipfel eine Höhe von 1020 m erreicht. Diesem Recken schauen der Esels- und der Riesenberg mit seinen Felsenzinnen, den Vier Gesellen, keck über die breite Achsel.“

Den Rundblick von der Buche aus, wie ihn Otto Findeisen beschreibt, den gibt es nicht mehr. Nur nach Westen zur Stadt hin hat man noch einen freien Blick, ansonsten verstellt der Wald die Sicht, der in den letzten hundert Jahren merklich an Boden gewonnen hat, nicht nur hier. Wir müssen also etwas auf dem Bühl herumstreifen, wenn wir die beschriebenen Ausblicke ebenfalls genießen wollen. Und das lohnt sich durchaus, nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch hinsichtlich unserer Objekte der Begierde: der Bäume. Nur etwa hundert Meter von der Bühlbuche entfernt in nordwestlicher Richtung finden wir nach einer kleinen Wiese einige stattliche Altbuchen am Waldrand. Jede von ihnen mit individueller Wuchsform, an der man die Anpassungen an den jeweiligen Standort sehr gut studieren kann. Beispielsweise an einem Baum, der am Abgrund steht und es durch sein außergewöhnliches Wurzelwerk bisher verhindern konnte, dass er abstürzt.
Aber was es nicht alles gibt: Findeisens prächtigen Rundblick, den stellt man uns sozusagen wieder zur Verfügung durch den neuen Aussichtsturm „Glück Auf“. Und dort oben gibt es mittlerweile auch einiges zu sehen, da würde Findeisen seinen Augen nicht trauen und womöglich vor Erstaunen in die Tiefe fallen. Zum Beispiel beim Anblick des „Erzgebirgsmeeres“ mit dem versunkenen „Atlantis“: der Sommerfrische Muldenhammer.
Damals nannte man den Baum übrigens noch „Bielbuche“, in Anlehnung an das slawische Wort „biel“, dem Platz eines slawischen Gottes. Und es gibt auch entsprechende Vermutungen, dass sich auf dem so bezeichneten Hügel früher eine alte Kultstätte befand. Wie dem auch sei, mit der Buche dürfte das kaum im Zusammenhang stehen, denn zum wahrscheinlichen Zeitpunkt ihrer Pflanzung kurz nach 1500 war Eibenstock ein christlicher Ort und die Zeit heidnischer Kultstätten lange vorbei.
Der Leichnam der alten Bühlbuche steht nicht weit entfernt von der jungen Bühlbuche, die 1955 anlässlich der 800-Jahrfeier von Heimatfreunden gepflanzt wurde, in weiser Voraussicht, dass die alte nicht mehr das ewige Leben haben würde. Wenn man nur überall so vorausdenkend wäre. Die junge Buche ist ein schöner Baum und sie wurde für ein langes Leben ausersehen, wenn alles gut geht. Aber sie braucht noch ein paar Jährchen, sie haut einen noch nicht vom Hocker, wie man so schön sagt. Aber dafür ist ja die alte noch da, obwohl nur noch ein lebloser Torso, verfehlt dieses Wesen, das schon ein halbes Jahrtausend hinter sich hat, ihre Wirkung nicht.