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Themenwege

Am Steinberg bei Zschorlau
Über Wiesen, Weiden und das liebe Vieh

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Steinberg bei Zschorlau
Über Wiesen, Weiden und das liebe Vieh

Steinberg bei Zschorlau

„Es ist besser, einen Berg zu kennen, als viele zu besteigen.“
Indianersprichwort

Der Steinberg bei Zschorlau ist ein weithin unterschätzter Berg, ein Geheimtipp gewissermaßen, der fast ausschließlich den Bewohnern der Dörfer an seinem Fuße ein Begriff ist, die ja auch ständig an ihn erinnert werden, wenn sie am Morgen aus dem Fenster nach dem Wetter und den Nachbarn schauen.  Dort erfreut er sich auch einer gewissen Beliebtheit als Wanderziel, vor allem aber bei der Jagd nach Pilzen und beim Ausführen von Hunden. Woran mag diese Unbekanntheit liegen? Vermutlich daran, dass sein Gipfel nicht mit einer schönen Aussicht und einem Bierausschank um die Gunst der Gäste buhlen kann wie beispielsweise der Auersberg, sein größerer Bruder. Auch wir werden uns bei unserer kleinen Wanderung nicht zum Gipfel quälen, um Gottes Willen, die Mühe können wir uns sparen, denn Fichtenforste haben wir genug in der Gegend, die lassen sich vielerorts bequemer bestaunen.

Blick vom Steinberg bei Zschorlau

Nein, wir turnen lieber wie die Kinder auf seinen Schultern herum und dort, das muss einmal mit Pauken und Trompeten herausposaunt werden, dort ist er die blanke Sahne, ein echter Leckerbissen. Sie merken: Widerspruch ist sinnlos, felsenfest steht: Gerade Wanderer, die ihre Schritte lieber durch die offene Landschaft lenken und nicht wie Rotkäppchen durch den dunklen, tiefen Wald stapfen, können im Erzgebirge wenig Vergleichbares finden und Besseres schon gar nicht. Wir glauben, wir haben Sie bekehrt mit unserer eindringlichen Predigt zum Lobe eines Berges. Sie können gar nicht mehr anders, als unseren Wegen zu folgen. Also pilgern wir los, nehmen wir unsere Stöcke oder Krücken und machen uns auf zum Berg aller Berge. Genauer besehen handelt es sich ja sogar um derer zwei, ein altes Ehepaar sozusagen, den Großen und den Kleinen Steinberg, die die Steinerne Hochzeit schon lange hinter sich haben, aber wie eh und je in trauter Eintracht und ewiger Schönheit die hiesige Landschaft prägen.

Karte Themenweg 2

Wanderrouten

Variante 1:      Rundweg am Steinberg (rot gekennzeichnet), ca. 5 km, etwa 2 Stunden, besonders für Familien mit Kindern
Variante 2:      Rundweg am Steinberg + Rundweg bei Albernau (gelb gekennzeichnet), ca. 8,5 km, etwa 3 Stunden, für den Gelegenheitswanderer

Beschreibung der Wanderung

Steinbergwiesen

Unsere Wanderung beginnt am Parkplatz am Skilift, direkt an der Hauptstraße zwischen Zschorlau und Burkhardtsgrün. Dort befinden wir uns auch schon in dem Gebiet, das den Steinberg zu etwas ganz Besonderem macht, dem FFH-Gebiet „Steinbergwiesen und Seifenbachtal“ ». An einer Informationstafel finden wir Erläuterungen zu den erzgebirgischen Bergwiesen und wenn wir zur richtigen Zeit vor Ort sind, dann haben wir auch gleich ein beeindruckendes Anschauungsbeispiel in natura vor uns, das einem durch sein Farbenspiel, seinen würzigen Duft und das rege Leben der darin „hausenden“ Tierwelt festhält. Wir sollten es möglichst lange genießen, denn die früher flächendeckend verbreiteten artenreichen Grünländer sind zu Raritäten geworden. Am Steinberg gibt es sie noch, zum Glück.
In Richtung Zschorlau fließt der Seifenbach », der mit seinem Ufergehölzbestand als Flächennaturdenkmal unter Schutz steht. Wir gehen dann links am ehemaligen Schanzenauslauf vorbei den Berg hinauf und erreichen eine hübsche Birkenallee und dann das Plateau zwischen dem Kleinen und Großen Steinberg, wo wir uns an den beiden Wegkreuzungen links halten. Bald haben wir ein weiteres wertvolles Areal mit Wiesen und Weiden erreicht, das sich bis zum Ort Albernau hinabzieht. Auf unserem Weg werden wir bei passendem Wetter durch einmalige Fernblicke über weite Teile des Westerzgebirges belohnt. Wir sehen den Auersberg, die Orte Albernau und Bockau, können über das Muldetal hinweg bis Bernsbach blicken und dann auch noch auf Zschorlau und den Gleesberg. An der nächsten Wegkreuzung treffen wir auf den Rundweg bei Albernau. Die reichliche Stunde dafür sollten wir uns nehmen. Dazu gehen wir geradeaus bis nur nächsten Abzweigung, an der wir nach rechts gehen und an einigen Einfamilienhäusern vorbei kommen. An der nächsten Wegkreuzung  geht es nach links. Dann sehen wir schon die Kirche liegen. Wenn wir diese erreicht haben, laufen wir auf dem markierten Wanderweg (grüner waagerechter Strich)  in Richtung Burkhardtsgrün. Nach etwa 500 m zweigen wir kurz vom Weg ab zur Albernauer Kanzel, von der wir eine wunderschöne Aussicht ins Muldetal und den Ort Bockau haben. Dann geht es weiter in Richtung Wald, an dessen Beginn wir rechts abbiegen. Nach wenigen Metern sehen wir rechts das Flächennaturdenkmal „Stollteich“ ». Dann kommen wir wieder an die Wegkreuzung, an der wir den Rundweg am Steinberg (Variante 1) fortsetzen, indem wir geradeaus weitergehen. Links sehen wir nach einiger Zeit Schottische Hochlandrinder » weiden und vor uns Zschorlau liegen. Wir wandern immer geradeaus weiter, bis wir an der Bäckerei Reinhold die Hauptstraße erreicht haben. Diese gehen wir linker Hand ein kurzes Stück entlang und kommen am Eiscafe Brunnen an den Seifenweg, dem wir dann folgen. Aber schon nach dem Parkplatz vom Cafe halten wir uns links. Schnell haben wir den Dorfrand erreicht. Wir gehen weiter bergan, vorbei an Wiesen und Weiden, vorbei auch am sogenannten Bännelwäldchen. Im Tal sehen wir schon einen alten Bekannten, den Filzbach liegen. Am Waldbeginn halten wir uns rechts und haben nach wenigen Metern den Ausgangspunkt der Wanderung erreicht.

Besonderheiten

FFH-Gebiet „Steinbergwiesen und Seifenbachtal“

Der Steinberg ist nicht nur schön und bietet den Freunden attraktiver Landschaftsbilder reichlich Brot. Einige Bereiche sind auch ausgesprochen wertvoll und artenreich und haben deshalb als Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet Aufnahme ins europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 gefunden.

Am Stollteich

Im Steinberggebiet sind es vor allem die wertvollen Offenlandbereiche, die für den europäischen Schutzstatus verantwortlich sind: wunderschöne Bergwiesen, Borstgrasrasen, Feuchtwiesen und Kleinseggenriede. Hauptgrund, dass sich diese wertvollen Grünlandareale bis heute erhalten konnten ist, dass große Teile der Steinbergwiesen schon viele Jahre im Wasserschutzgebiet liegen und deshalb nur extensiv genutzt werden durften und dürfen.
Aber auch einige wertvolle Stillgewässer sind vorhanden und am naturnahen Seifenbach findet sich ein zwar kleiner, aber sehr wertvoller Erlenauenwald.
Besonders erwähnenswert aus der vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt sind die Arnika, das Große Zweiblatt, das Wasser-Geiskraut, der Neuntöter und das Braunkehlchen. Eine wirkliche Rarität ist leider mittlerweile verschwunden, die Bekassine, die bis in die 70er Jahre in den Feuchtwiesen oberhalb des Stollteiches brütete. Sie gehört, wie die meisten Limikolen, zu den Sorgenkindern des Naturschutzes, die trotz Schutzprogrammen fast überall weiter abnehmen. Zurück »

Flächennaturdenkmal (FND) „Seifenbach“

Erfreulicherweise können wir uns am Beispiel des FND „Seifenbach“ noch einen Eindruck verschaffen, wie naturnahe Fließgewässer mit gut erhaltenen uferbegleitenden Erlenbeständen aussehen. Sogar ein kleiner, aber feiner Auwaldrest ist noch zu finden. Das FND beginnt unmittelbar am oberen Ortsrand von Zschorlau und endet am Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Filzbach

Fließgewässer gehören zu den stärksten Verlierern unter den Ökosystemen in Europa. Kaum ein Fluss oder Bach, der nicht in weiten Teilen verbaut ist und seinen natürlichen oder zumindest naturnahen Charakter verloren hat. Besonders in den Siedlungen und in Siedlungsnähe sind unsere Fließgewässer zu reinen Abflusskanälen umgebaut worden. Zurück »

Flächennaturdenkmal „Stollteich“

Das FND „Stollteich“, das aus dem Stollteich selbst und den ihn umgebenden Wiesenbereichen besteht, befindet sich an der nördlichen Ortsgrenze von Albernau in Richtung Steinberg. Besonders wertvoll ist die einmalige Vielfalt von verschiedenen Wiesentypen unterschiedlichsten Feuchtigkeitsgrades, von Nasswiesen bis zu trockenen Bärwurzwiesen auf engstem Raum.

Stollteich

Die Teiche spielen unter anderem eine wichtige Rolle als Laichgewässer verschiedener Amphibien wie Grasfrosch, Erdkröte, Teichmolch und Bergmolch. Ein besonderes Kleinod stellt auch der beeindruckende Baumbestand, vorwiegend Eschen, um den Stollteich dar. Zurück »

Schottische Hochlandrinder

Schottische Hochlandrinder

Es gibt viele Rinderrassen auf dieser weiten Erde, aber wenige sind so attraktiv wie die Schottischen Hochlandrinder. Der erste Blick täuscht, die gewaltigen Hörner und das dicke Fell vermitteln den Eindruck, dass es sich um große, schwere Tiere handelt. Aber das stimmt nicht, sie gehören zu den leichtesten, langsamwüchsigsten und anspruchslosesten Rindern und sind deshalb besonders für die Landschaftspflege geeignet. Der Name verrät ihre Herkunft und das Schottische Hochland wird von manchen auch als „das Land der nachdenklichen Kühe“ bezeichnet. Wer einmal dort war, den lassen diese Bilder nicht mehr los. Ein klein wenig von diesem Flair hat man nun auch an den Steinberg geholt. Zurück »

Hochlandrinder am Steinberg

Landwirtschaft und Natura 2000

Landwirtschaft und Natura 2000 schließen sich nicht aus, aber nur, wenn die Landwirtschaft schon bisher vergleichsweise extensiv und naturverträglich betrieben wurde und das auch so bleibt. In weiten Teilen des Steinberggebietes ist das so. Naturverträgliche Beweidung und späte Mahd zur Heugewinnung spielen eine wichtige Rolle, was heute wirklich keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Durch finanzielle Unterstützung von Seiten der EU und des Freistaates Sachsen versucht man, die naturverträgliche Bewirtschaftung attraktiver zu machen. Dadurch werden die Landwirte in die Lage versetzt, die Bergwiesen und –weiden so zu bewirtschaften, dass wir auch weiterhin diese Buntheit und Artenvielfalt bestaunen dürfen. Das ist auch bitter nötig, denn viele von uns werden schon mit Erschrecken festgestellt haben, dass solch wertvolle und attraktive Bereiche in unserer Feldflur immer mehr zu isolierten, einsamen Inseln und letzten Rückzugsgebieten für viele seltene Pflanzen- und Tierarten werden. Je weiter wir vom Kamm unseres Gebirges heruntersteigen in die besser zu bewirtschaftenden Gebiete, desto gravierender ist das Problem. Viele Tier- und Pflanzenarten, beispielsweise das Rebhuhn, sind schon verschwunden. Selbst der Singflug einer Feldlerche wird immer mehr zum seltenen Ereignis, dem man mit Freude, Dankbarkeit und einer gewissen Wehmut zuschaut.

Rebhuhn