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Themenwege

Bei Hartenstein
Von Wäldern, Flüssen und uralten Wegen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei Hartenstein
Von Wäldern, Flüssen und uralten Wegen

Hartensteiner Wald

„Du aber bist der Baum.“
Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Hartenstein ist ein Städtchen mit einer überaus interessanten und langen Geschichte. An der Salzstraße „Böhmischer Steig“ gelegen, hat es zusammen mit der Nachbarstadt Lößnitz bei der Besiedlung des Erzgebirges, aber auch noch geraume Zeit danach, eine wesentliche Rolle gespielt. Und selbst zuvor, als hier noch keine Häuser standen, quälte man sich auf holprigen Wegen schon durch den sogenannten Miriquidi, den „Dunkelwald“, wie dunkel der auch immer gewesen sein mag.

Hartenstein

Vom legendären Miriquidi finden wir zwar leider nichts mehr, aber auch heute braucht sich das Umfeld des hübschen Städtchens nicht zu verstecken, wie wir auf unserer Wanderung noch sehen werden. Die Mulde als das bedeutendste Fließgewässer der Region liegt nur einen Steinwurf entfernt und prägt die Landschaft wie eh und je. Und auch schöne naturnahe Wälder laden zum Spaziergang ein und lassen stellenweise sogar noch eine entfernte Ahnung davon aufkommen, wie der einstige Urwald hier in der Region ausgesehen haben könnte.

Hartenstein-Karte

Wanderrouten

Variante 1:      Rundweg im Muldetal (rot gekennzeichnet), ca. 7 km, etwa 2 Stunden, besonders für Familien mit Kindern
Variante 2:      Rundweg im Muldetal + Rundweg nach Hartenstein (gelb gekennzeichnet), ca. 11 km, etwa 3,5 Stunden, für den Gelegenheitswanderer

Beschreibung der Wanderung

Schloss Stein

Unsere Wanderung beginnt am Parkplatz an der Talstraße gegenüber der Burg Stein, die wieder in Privatbesitz ist, aber mittels Führungen immer noch besucht werden kann. Wir wollen aber jetzt in die freie Natur, überqueren die Straße und gehen über die Eisenbahnüberführung in Richtung Bahnhof. Links sehen wir die Burg Stein liegen und wie zur Einstimmung auf unsere Wanderung winkt uns eine Buche von einem Balkon der Burg aus zu. Erstaunt über einen solch ungewöhnlichen Burgbewohner grüßen wir etwas verdutzt zurück. Genau gegenüber beginnt rechts der Muldenwanderweg Richtung Prinzenhöhle (roter waagerechter Strich), der uns dann geraume Zeit durch das FFH-Gebiet „Muldetal bei Aue“ » direkt an der Mulde »entlang führt. Viele prächtige Baumexemplare und gut erhaltene Auenwälder »bekommen wir auf diesem schönen Weg zu Gesicht. Negativ fallen einem die vielen schon fast „urwaldähnlichen“ Bestände des Japanischen Staudenknöterichs auf. Man kann die Wüchsigkeit und Zähigkeit dieser Pflanze nur bewundern, aber sie überwuchert die angestammte heimische Bodenflora doch in erschreckendem Maße. Auch das Wasserkraftwerk passt nicht so recht ins Bild. Die negativen Auswirkungen auf den Fluss sind nicht zu übersehen. Auf einem Abschnitt des Weges haben wir links ein dunkles Fichtenstangenholz, rechts die Mulde mit ihrem lichten Auenwald. Nicht nur sichtbar, auch hörbar wird hier der gravierende Unterschied zwischen diesen Wäldern, zumindest im Frühjahr: Totenstille links, ein vielstimmiger Vogelchor rechts.
Wir erreichen die Talstraße, gehen auf dieser wenige Meter nach links bis zum Parkplatz und befinden uns jetzt am Naturschutzgebiet „Hartensteiner Wald“ mit seinen beeindruckenden Buchenwäldern ». Es geht weiter Richtung Prinzenhöhle (grüner waagerechter Strich). Wir erreichen dann die Gaststätte, deren Besuch sich lohnt. Von der Terrasse aus haben wir einen wunderbaren Blick ins Muldetal und hören das Rauschen des Flusses. Es geht weiter in Richtung Höhlenzugang durch einen geradezu sagenhaften Wald mit vielen eindrucksvollen Bäumen und Felsbildungen. An der höchsten Stelle des Zugangs geht unsere Wanderung dann weiter in Richtung Knoblauchfelsen, nachdem wir den Abstieg zum Eingang der Höhle und den Wiederaufstieg geschafft haben. Nach einiger Zeit kommen wir an den Lößnitzer Weg (blauer waagerechter Strich), halten uns links und kommen dann bald an einen überdachten Ruheplatz, an dem der Denkmalweg nach rechts abzweigt. Wir gehen aber geradeaus immer weiter Richtung Bahnhof über den Mühlweg (grüner waagerechter Strich). Dieser führt uns zu unserem Ausgangspunkt zurück, an dem wir uns nun entschieden müssen, ob wir noch die lohnenswerte Tour nach Hartenstein anschließen wollen, der Geburtsstadt von Paul Fleming (1609-1640).
Wenn ja, biegen wir rechter Hand auf den Wanderweg zum Freibad mit dem blauen waagerechten Strich ein, der uns am Waldrand entlang nach Hartenstein führt. Dabei können wir wieder einige stattliche Baumexemplare begutachten, die den Wanderweg säumen. In Hartenstein führt der Weg rechterhand die Badergasse hinauf und wir befinden uns jetzt für kurze Zeit auf einer alten Salzstraße, dem „Böhmischen Steig“ ».
Wenn wir aber noch etwas Zeit übrig haben, sollten wir zuvor einen kleinen Abstecher nach links zum Stadtzentrum machen, bevor wir den Weg an der gleichen Stelle fortsetzen. Es ist zwar nicht riesig, aber durchaus sehenswert, klein aber fein sozusagen.
Wir gehen also dann weiter in Richtung Freibad, an einem alten Forsthaus, den Hohlwegen, der Aussicht zur Schlossruine Hartenstein und den Hochzeitseichen vorbei. Kurz hinter dem Freibad nehmen wir die erste Abzweigung nach rechts und folgen dem gelben waagerechten Strich. Auch an den nächsten Wegkreuzungen folgen wir dieser Markierung. Wir erreichen den Mühlweg, kommen noch an einem Wildgehege vorbei und haben dann auch bald den Ausgangspunkt der Wanderung erreicht.

Besonderheiten

FFH-Gebiet „Muldetal bei Aue“

Mulde bei Hartenstein

Das FFH-Gebiet besteht aus zwei Teilgebieten an der Zwickauer Mulde, einem Abschnitt von Blauenthal bis Aue und einem von Schlema bis Wilkau-Haßlau. Geprägt wird das FFH-Gebiet zum einen durch seine Fließgewässer, vor allem natürlich durch die vergleichsweise wenig verbaute, naturnahe Zwickauer Mulde mit schönen Auenwäldern und ihrer typischen Flora und Fauna. Aber auch viele kleinere Bäche, zumeist von Wäldern umgeben, sorgen für Abwechslung.
Ein sehr wesentlicher Bestandteil des FFH-Gebietes ist allerdings auch das 89 Hektar große Naturschutzgebiet „Hartensteiner Wald“, das schon 1961 unter Schutz gestellt wurde. Es stellt den größten zusammenhängenden Komplex submontaner Eichen-Hainsimsen-Buchenwälder im unteren Westerzgebirge dar, wo beispielsweise Höhlenbrüter wie Hohltaube, Grauspecht, Schwarzspecht und Raufußkauz günstige Bedingungen vorfinden. Deutschland hat auf nationaler und europäischer Ebene besondere Verantwortung für den Erhalt von Buchenwäldern, weil etwa ein Viertel des weltweiten natürlichen Gesamtareals auf Deutschland entfällt. Zurück »

Mulde

Die Freiberger und Zwickauer Mulde und ihre Nebenflüsse entwässern das Erzgebirge nach Norden hin. Sie treffen sich bei Grimma und münden bei Dessau in die Elbe. So erreicht der Fluss insgesamt eine Länge von 290 Kilometern und gilt als der am schnellsten fließende Fluss Mitteleuropas.

Mulde

Das Besondere an der Mulde ist wohl, dass sie trotz ihres Wasserreichtums und ihrer Breite nicht wie vergleichbare andere Flüsse schiffbar gemacht wurde. Die Ursache müssen wir darin suchen, dass sie und ihre Nebenflüsse im großen Maße zum Betreiben von Mühlen genutzt, in denen nicht nur Getreide gemahlen, sondern auch Erz aus dem Gebirge in Poch- und Hammerwerken verarbeitet wurde. Denn alle Anlagen, die mit Wasserrädern arbeiteten, wurden damals Mühlen genannt. Dazu wurde die Mulde seit dem Mittelalter an vielen Stellen durch Wehre angestaut.
Auch das Holz für die Erzverarbeitung kam aus den erzgebirgischen Wäldern und auch das wurde in der Mulde transportiert. Der Holzhunger war ungeheuer und es ist heute kaum noch vorstellbar, welche Massen von Stämmen, entweder einzeln oder zu Flößen zusammengebunden, den Fluss und seine Nebenflüsse hinabtrieben. Viele weitere Nutzungen, beispielsweise die Talsperren, kamen im Laufe der Zeit hinzu.
Von einem natürlichen Flusssystem kann also schon seit einigen Jahrhunderten bei der Mulde und ihren Nebenflüssen nicht mehr die Rede sein. Umso erfreulicher, dass, trotz der intensiven Nutzung zu allen Zeiten, unverbaute oder gering verbaute Abschnitte erhalten geblieben sind, die von naturnahen Auen begleitet werden und als FFH-Gebiete in das europäische Schutzgebietsnetz aufgenommen werden konnten. Sicher spielt dabei auch eine Rolle, dass der Fluss vor Vertiefungen verschont blieb und weitgehend in seinem natürlichen Bett fließen kann. Natürlich bleiben die vielen Wasserkraftwerke nicht ohne negative Auswirkungen, beispielsweise auf die Fischfauna. Besonders bei Niedrigwasser sind trocken gefallene Flussabschnitte keine Seltenheit. Hier gibt es immer wieder große Konflikte.

Ganz nebenbei bemerkt, pflegte man früher einen viel engeren Kontakt mit dem Fluss als heute, wie die Verse von Paul Fleming (1609-1640) bezeugen, einem der bedeutendsten Dichter des deutschen Barock, der in Hartenstein geboren wurde:
„Ach! daß ich mich doch einmal wieder sollt erfrischen
an deiner reichen Lust, du edler Muldenfluß,
Da du sanfte gehst in bergichten Gebüschen,
Da, da mein Hartenstein mir gab den ersten Kuß.
Wie jung, wie klein ich auch ward jener Zeit genommen
Aus deiner süßen Schoß, so fällt mir’s doch noch ein,
Wie oft ich lustig hab in deiner Flut geschwommen,
Mir träumet ofte noch, als sollt ich um dich sein.“ Zurück »

Auenwälder

Auenwälder sind Wälder im Überflutungsbereich von Bächen und Flüssen, dort wo Wasser und Land besonders eng vernetzt sind. Sie sind durch schwankende, aber relativ hohe Grundwasserstände geprägt, gehören zu den vielfältigsten Lebensräumen in Europa und treten je nach den örtlichen Gegebenheiten in unterschiedlichen Formen auf, als Hartholzauen und Weichholzauen am Ufer großer Flüsse, als Saumwälder an Bächen usw.

Auwald an der Mulde

Alle Auenwaldtypen sind in weiten Teilen Europas sehr selten geworden und treten nur noch in zersplitterten, galerieartigen Fragmenten auf. Ursache hierfür sind vor allem Flussregulierungen und Wasserbau aus den unterschiedlichsten Gründen (Schifffahrt, Hochwasserschutz, land- und forstwirtschaftliche Nutzung usw.). Zurück »

Buchenwälder

Buchenwald bei Hartenstein

Ohne den Menschen würden in weiten Teilen Europas Buchenwälder das Landschaftsbild prägen. Auch das Westerzgebirge wäre, bis auf kleinere Bereiche im Kammbereich und in den höher gelegenen Tälern, wo montane Fichtenwälder stocken würden, bis auf die Moore mit angrenzenden Moorwäldern und die Auen der Fließgewässer, mit Buchenwäldern bedeckt. Stattdessen herrscht die Fichte vor, zum Teil in völlig monotonen, dunklen, unfreundlichen Beständen. Hier gibt es noch viel zu tun für den im Gang befindlichen Waldumbau. Reste von naturnahen, reich strukturierten Buchenwäldern und auch Schlucht- und Hangmischwäldern finden sich vor allem an den steilen Hängen der Täler, wie hier an der Mulde. Vorherrschende Form bei uns ist dabei der bodensaure Hainsimsen-Buchenwald, der auch als herzynischer Bergmischwald bezeichnet wird. Zurück »

Die alte Salzstraße „Böhmischer Steig“

Zwischen Hartenstein und Lößnitz führte früher die alte Salzstraße „Böhmischer Steig“ zwischen Halle und Prag entlang, auf der man sich bei Wind und Wetter abmühte, um das wertvolle weiße Gold in das an Salz arme Böhmen zu karren.
Auf einer sehr empfehlenswerten Wanderung zwischen Lößnitz und Hartenstein kann man dessen Verlauf noch recht gut nachvollziehen. Eindrucksvolle Beispiele von bis zu acht parallel verlaufenden Hohlwegen machen deutlich, wie mühselig der Warentransport früher war. Und wer viel Phantasie hat, der sieht die Bilder regelrecht vor sich, wie sich Mensch und Vieh durch den Schlamm wühlen und im Morast versinken.

Hochzeitseichen bei Hartenstein

Aber auch andere Sehenswürdigkeiten gibt es zu bestaunen, beispielsweise in der Nähe des Hartensteiner Bades die gigantischen Hochzeitseichen, so bezeichnet, weil sie aus Anlass von Fürstenhochzeiten gepflanzt wurden. Zurück »

Wälder

Hartensteiner Wald

Wälder haben wir eigentlich genug im Erzgebirge. Aber wie in vielen Regionen Europas sind naturnahe Wälder regelrechte Mangelware, von natürlichen Wäldern ganz zu schweigen. Fast alle Wälder unterlagen in ihrer Geschichte einer starken Nutzung und wurden stark forstlich verändert. Auch oder gerade in einer waldreichen Region wie dem Erzgebirge ist dies allerorten zu beobachten. Weithin dominieren die Fichtenforste und es wird noch einige Zeit dauern, bis der Waldumbau zu naturnahen Buchenmischwäldern auch großflächig Wirkung zeigt. Waldbau ist ja bekanntlich ein langwieriges Geschäft.
Apropos Geschäft. Man hat in den letzten Jahren mehr und mehr den Eindruck, als würde sich in der Forstwirtschaft die Ökonomie deutlich in den Vordergrund schieben, die ökologische Funktion und die Erholungsfunktion für die Bevölkerung zu Nebensachen machen. Ähnlich wie in anderen Bereichen der Landnutzung kommt immer häufiger Großtechnik zum Einsatz, die teils erschreckende Bilder der Verwüstung hinterlässt. Eine zwar bis zum gewissen Grade verständliche, aber sehr negative und einschneidende Entwicklung, die besonders in den staatlichen und kommunalen Wäldern zu hinterfragen ist. Umso wichtiger wird auch der Schutz und Erhalt der natürlichen und naturnahen Wälder im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Eiche im Hartensteiner Wald