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Themenwege

Naturlehrpfad Klughausgrund in Breitenbrunn
Von Hecken, Mauern, Rainen & Co.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Naturlehrpfad Klughausgrund in Breitenbrunn
Von Hecken, Mauern, Rainen & Co.

Trockenmauer Breitenbrunn

„Weh denen, die ein Haus an das andere ziehen
und einen Acker zum anderen bringen
bis dass kein Raum mehr da sei.

Jesaja (ca. 700 v. Chr.)

Auf dem Naturlehrpfad Klughausgrund in Breitenbrunn werden wir anhand von 17 Informationstafeln in Wort und Bild über Interessantes am Wegesrand informiert, und das gibt es zuhauf bei dieser Wanderung durch den hübschen Ort im oberen Westerzgebirge und seine sehenswerte Umgebung, vorbei an Trockenmauern, Hecken, artenreichen Wiesen und Weiden, naturnahen Bächen, Teichen usw.

Breitenbrunn

Eine abwechslungsreiche Tour erwartet uns, mit grandiosen Ausblicken auf Ort, Feldflur und Wald, diesen Dreiklang, der die Ortschaften im oberen Erzgebirge so attraktiv macht.

Karte Breitenbrunn

Wanderroute

Naturlehrpfad Klughausgrund (rot gekennzeichnet), ca. 6 km, etwa 2 Stunden, besonders auch für Familien mit Kindern und Gelegenheitswanderer

Beschreibung der Wanderung

Klughaus Breitenbrunn

Unsere Wanderung führt uns heute entlang des Naturlehrpfades Klughausgrund, der durch einen grünen diagonalen Strich auf weißem Grund gekennzeichnet ist, an dem wir uns immer gut orientieren können. Wir starten am Parkplatz an der Gemeindeverwaltung und gehen zuerst etwa 200 Meter durch den Ort bergan. Dann biegen wir rechts in den Klughäuser Weg ein. Nach wenigen Minuten sind wir schon in der freien Landschaft und genießen die wunderschöne Aussicht auf die ausgedehnten Wiesen und Weiden des Ortes, die zum Teil durch Hecken » gegliedert sind, die nicht nur für das Landschaftsbild von Bedeutung sind, sondern wie die rar gewordenen Raine, Wegränder, Böschungen und anderen  nicht oder selten bewirtschafteten Bereiche » eine wichtige ökologische Funktion in einer Landschaft erfüllen. Im Tal sehen wir den Großen Ortsbach fließen. Er schlängelt sich weiter oben erst durch Wälder und Wiesen und weiter unten durch den Ort Breitenbrunn, bis er dann das Schwarzwasser erreicht. An einigen Stellen hat man ihn angestaut und es haben sich dort sehr wertvolle, naturnahe Teiche entwickelt.
Wir befinden uns schon im FFH-Gebiet „Wiesen um Halbmeil und Breitenbrunn“ »  wunderschönen Bergwiesen und -weiden, die besonders zur Blütezeit einfach nur begeistern. Wir erreichen das Klughaus, an dem prächtige Bergahornbäume stehen, und gehen geradeaus weiter. Am Wegesrand und im Umfeld sehen wir erstaunlich viele Trockenmauern. » Diese Vielzahl und Vielfalt kann man durchaus als örtliche und regionale Besonderheit bezeichnen. Zudem sind sie noch zum großen Teil in einem guten Zustand und werden von einer reichhaltigen und abwechslungsreichen Pflanzen- und Tierwelt begleitet. Hoffen wir, dass diese Kleinode in der Landschaft uns noch lange erhalten bleiben. Wie viele andere dörfliche Lebensräume und Kleinstrukturen verlieren nämlich auch sie mit unserer veränderten Lebens- und Wirtschaftsweise ihre ursprüngliche nützliche Funktion und dies führt meist über kurz oder lang zu deren Verfall oder Zerstörung. Damit verschwinden natürlich auch die auf solche Lebensräume spezialisierten Tier- und Pflanzenarten.
Als wir schon glauben, wir wären im tiefen, dunklen Wald gelandet, erreichen wir ein besonderes Schmuckstück, nämlich das Flächennaturdenkmal „Adner Raum“ » mit seinen wertvollen, artenreichen Wiesen und Weiden. Hier können wir als besondere Form der Landschaftspflege », die Beweidung mit Schottischen Hochlandrindern begutachten.
Am Ende des Adner Raums kommen wir an einer Schutzhütte mit einem kleinen Spielplatz und am Wasserspielplatz gegenüber vorbei, besonders für „kleine Wanderer“ eine willkommene Abwechslung. An der nächsten Wegkreuzung halten wir uns rechts. Es geht nun durch den Wald zurück Richtung Breitenbrunn, an einem Waldteich vorbei, wieder eine schöne und willkommene Gelegenheit zur Rast. Am Ende des Waldes halten wir uns rechts und folgen der Straße „Am Mühlanger“ bis zur Hauptstraße, der wir bergauf bis zum Ausgangspunkt der Wanderung folgen.

Besonderheiten

FFH-Gebiet „Wiesen um Halbmeil und Breitenbrunn“

Knabenkraut

Das FFH-Gebiet ist insgesamt 82 Hektar groß und besteht neben einigen kleineren Bereichen aus zwei größeren Komplexen, den Halbmeiler Wiesen, die bereits 1972 als Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt wurden und den Flächen im Klughausgrund/Adner Raum, die wir auf unserer Tour durchwandern.
Es handelt sich im Wesentlichen um wertvolle Offenlandbereiche wie artenreiche Borstgrasrasen und Bergmähwiesen, Nasswiesen, Kleinseggenriedern, Übergangs- und Schwingrasenmoore und Zwergstrauchheiden. Aber auch kleinere wertvolle Waldbereiche mit Hainsimsen-Buchenwäldern oder montanen bodensauren Fichtenwäldern sind inbegriffen.
Viele seltene und gefährdete Arten haben im Gebiet ihre Heimat: Arnika, Waldläusekraut, Gewöhnliches Fettkraut, Moorklee, Rundblättriger Sonnentau, verschiedene Orchideen, Wiesenpieper, Braunkehlchen, Sumpfheidelibelle, Kreuzotter usw. Zurück »

Hecken

Hecken Breitenbrunn

Hecken dienten früher genau wie Zäune dem Schutz vor Wildtieren und der Abgrenzung der Grundstücke und wurden deshalb lange Zeit als „lebende Zäune“ bezeichnet. Das Laub wurde verfüttert oder als Einstreu im Stall verwendet, verschiedene Beeren wurden gesammelt sowie Blüten und Blätter als Naturheilmittel eingesetzt. Zusätzlich konnten sie zur Brennholzgewinnung genutzt werden. Deshalb gab es auch vorwiegend Strauchhecken. Heute sind sie zumeist zu Baumhecken durchgewachsen und es steht mehr im Mittelpunkt, dass sie einer Vielzahl von Tieren Lebensraum, Unterschlupf-, Nahrungs- und Brutmöglichkeiten bieten, vor allem wenn sie aus heimischen Laubgehölzen wie Hundsrose, Holunder, Hasel, Weißdorn, Eberesche usw. bestehen. Je breiter und vielfältiger eine Hecke, desto reichhaltiger ist die Wirkung auf die Tier- und Pflanzenwelt. Igel, Eidechsen, Frösche, Mäuse, Marder, Schmetterlinge usw. finden Schutz und Nahrung, Meisen, Grasmücken oder Neuntöter einen Platz zur Aufzucht ihrer Jungen. Sie bilden wichtige Verbundlinien in der Landschaft und sind zu jeder Jahreszeit eine enorme Bereicherung für das Landschaftsbild.
Zudem bieten sie und ihre Randbereiche einen erstaunlichen Fundus an Kräutern und Wildfrüchten, deren Verwendung zu Nahrungs- und Heilzwecken in letzter Zeit eine erstaunliche und erfreuliche Renaissance erfährt. Zurück »

Raine, Wegränder, Böschungen und andere nicht oder selten bewirtschaftete Bereiche

In unserer fast flächendeckend bewirtschafteten Landschaft sind Raine, Wegränder, Böschungen und andere nicht oder selten bewirtschaftete Bereiche, auf denen Gräser und Kräuter einfach vor sich hin wachsen und ausblühen und in Ruhe alt werden können, eine Seltenheit, sind aber unverzichtbare Voraussetzung für das Überleben bestimmter Arten. Die vielen kleinen Acker- und Wiesenraine, die es früher zwischen den „Handtuchfeldern“ gab und keiner so strengen Bewirtschaftung unterlagen, sind fast komplett verschwunden. Selbst in unseren Gärten herrscht leider oftmals ein etwas übertriebener Ordnungssinn vor, der nicht einmal das kleinste „unsaubere Eckchen“ dulden kann.

Wegrain Breitenbrunn

Raine gibte es kaum mehr, am ehesten findet man noch Wegränder und Böschungen, die hier einen gewissen Ersatz bieten und zu wichtigen Rückzugs-, Nahrungs- und Überwinterungsräumen für viele gefährdete Pflanzen und Tiere werden können, etwa für Schmetterlinge und Wildbienen. Aber auch dem läuft vieles entgegen. Die Ränder der Verkehrswege werden oft mehrmals im Jahr gemulcht. An den Feldwegen wird bis unmittelbar an den Rand geackert oder gemäht, so mancher Weg ist sogar schon ganz verschwunden. Oftmals werden wir nur noch an steilen Böschungen oder Trockenmauern fündig. Wir können also durchaus von Glück reden, dass wir auf unserer Wanderung noch vergleichsweise viele nicht oder wenig genutzte Kleinstrukturen bewundern dürfen. Zurück »

Trockenmauern

In Breitenbrunn sind Trockenmauern noch in ungewöhnlicher Vielzahl und Vielfalt anzutreffen. Wir finden ganz normale“ Mauern mit waagerecht angeordneten, aber auch einige „Sonderlinge“ und wahre Seltenheiten mit senkrecht verbauten Steinen.

Trockenmauer in Breitenbrunn

Es wird gut deutlich, wie ideenreich und flexibel sie in der Vergangenheit eingesetzt wurden. In grauer Vorzeit dienten sie zusammen mit Hecken und Holzzäunen der Einpferchung des Nutzviehs und dem Schutz vor wilden Tieren. Eine wichtige Rolle spielten sie auch bei der Markierung von Besitz und Grenzen, sowohl in der freien Feldflur als auch im Ort. Häufig kamen sie als Stütz- und Bachmauern zum Einsatz.
Mit ihren Ritzen, Spalten und Hohlräumen in unterschiedlichen Größen und Formen bieten Trockenmauern Pflanzen- und Tierarten Lebensraum, die an diese extremen Bedingungen angepasst sind. Vorwiegend sind es Arten, die in der freien Natur an Felsbereichen leben, die hier einen Ersatzlebensraum gefunden haben. Je nach Standort (trocken, feucht, sonnig, schattig) bilden sich spezielle Pflanzengesellschaften heraus. Aber auch schon auf engstem Raum, von Mauerfuß zu Mauerkrone, wechseln die Bedingungen. Arten wie Habichtskraut, Schöllkraut, Mauerpfeffer und seltene Farne, Moose und Flechten kann man entdecken, Eidechsen, Kröten, Molche, Hummeln, Wildbienen usw. finden Unterschlupf und Nahrung. Zurück »

Flächennaturdenkmal „Adner Raum“

Adner Raum Breitenbrunn

Das Flächennaturdenkmal „Adner Raum“ wurde 1999 unter Schutz gestellt. Es hat insgesamt eine Fläche von 8,1 Hektar, liegt knapp 750 Meter hoch und wird vom Großen Ortsbach durchflossen. Es macht auf den ersten Blick den Eindruck einer größeren Waldwiese, ist aber insbesondere durch die wechselnden Bodenfeuchteverhältnisse, die von frisch bis dauerfeucht reichen, reich an verschiedenen Lebensraumtypen. Dies wiederum bietet einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren die Möglichkeit, ihr Auskommen zu finden.
Der hohe Naturschutzwert der Flächen hängt auch mit ihrer Abgelegenheit zusammen, denn dadurch war die Bewirtschaftung enorm aufwändig und wurde deshalb schon immer relativ extensiv durchgeführt. In den Zeiten der kleinbäuerlichen Bewirtschaftung wurde aber auf den trockenen Flächen sogar noch Ackerbau betrieben und verschiedene Feldfrüchte angebaut. Aber viel Freude hatte man daran nicht, denn das Wild der umliegenden Wälder betätigte sich fleißig als unerwünschter Erntehelfer. Mit Gründung der LPG Anfang der sechziger Jahre wurde dann nur noch beweidet oder einmal im Jahr gemäht und die nassen Bereiche überhaupt nicht mehr genutzt. Seit einigen Jahren werden die Flächen vom Landschaftspflegeverband Westerzgebirge nach einem Pflege- und Entwicklungsplan bewirtschaftet: große Bereiche naturverträglich beweidet und zum Teil nachgemäht, besonders sensible und nasse Flächen mit Balkenmäher gemäht. Zurück »

Landschaftspflege mit Schottischen Hochlandrindern

In der Landschaftspflege werden heutzutage nicht nur Balkenmäher, sondern zunehmend auch Nutztiere eingesetzt. Das ist sicher nicht immer möglich, aber in bestimmten Fällen eine durchaus sinnvolle Lösung, auch im Flächennaturdenkmal „Adner Raum“.

Schottische Hochlandrinder

Dort kommen Schottische Hochlandrinder zum Einsatz. Diesen Rindern kann man heute nicht nur in ihrer namengebenden Heimat und den vorgelagerten Inseln begegnen, sondern fast in ganz Europa. Ursache hierfür sind deren Eigenschaften, die sich unter den harten Bedingungen im Schottischen Norden herausgebildet haben und bis heute züchterisch bewahrt wurden.  Sie sind leicht und deshalb auch für steile Hänge und etwas feuchtere Areale gut geeignet. Sie haben geringe Futteransprüche und können deshalb auch in alten, schon abgeblühten Aufwüchsen weiden. Sie sind sehr robust und wenig krankheitsanfällig und können somit auch im Winter im Freien bleiben. Sie sind damit für eine schonende, naturverträgliche Beweidung besonders geeignet und werden oft in Bereichen eingesetzt, wo Naturschutzgesichtspunkte eine wichtige Rolle spielen. Nicht ganz unwesentlich für ihre Beliebtheit ist sicherlich auch das attraktive Aussehen. Zurück »

Landschaftselemente wie Hecken, Trockenmauern, Raine, Wegränder, Böschungen usw.

Breitenbrunn

Landschaftselemente wie Hecken, Trockenmauern, Raine, Wegränder, Böschungen usw.,auch als Saum- und Kleinbiotope bezeichnet, gehören zwar nicht direkt zu den FFH-Lebensraumtypen, die im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzes geschützt werden. Trotzdem sind sie – zumindest in der Regel – nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern eine enorme Bereicherung und Aufwertung für die Natura 2000-Gebiete. Für einige Arten sind sie sogar notwendige Voraussetzung, um leben zu können, stellen Rückzugsgebiete dar, bieten Nahrungsquellen und Brutgelegenheiten.
Nicht nur die gut sichtbaren Hecken und Trockenmauern spielen eine wichtige Rolle in der Landschaft. Das Westerzgebirge war früher eine heckenarme, ja mancherorts fast heckenlose Landschaft, wie alte Postkarten und Fotos zeigen. Trotzdem war diese Landschaft voller Leben. Neben der Intensivierung der Nutzung hat vor allem der Verlust solch vergleichsweise unauffälliger, nicht oder selten bewirtschafteter Kleinstrukturen in der Feldflur wie Acker- und Wiesenrainen, Wegrändern, Böschungen, Altgrasstreifen usw. dazu beigetragen, dass das heute vielerorts nicht mehr so ist, dass einstige Allerweltarten wie die Feldlerche, das Braunkehlchen oder der Wiesenpieper zu Raritäten geworden sind und das Rebhuhn aus dem Erzgebirge sogar schon ganz verschwunden ist. Eine traurige Angelegenheit, die leider wenig zur Kenntnis genommen wird und erst recht nicht oder kaum zu gegensteuerndem Handeln führt.
Der Schutz, Erhalt und die Neuschaffung dieser Landschaftselemente in den Natura 2000-Gebieten - und natürlich und vor allem auch in der „normalen“ Landschaft – ist neben der Extensivierung der Nutzung deshalb eine der wichtigsten Aufgaben des Naturschutzes im Offenland, wenn der erschreckende Rückgang vieler Arten in der Feldflur gestoppt werden soll.

Trockenmauer Breitenbrunn