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Themenwege

Am Erzgebirgskamm bei Jugel
Von Mooren und Wiesen und deren Bewohnern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Erzgebirgskamm bei Jugel
Von Mooren und Wiesen und deren Bewohnern

Oberjugel

„Willst du wissen, was Schönheit ist
so gehe hinaus in die Natur.

Albrecht Dürer (1471-1528)

Sie gehört wohl zu den schönsten Ortschaften im Westerzgebirge, die zu Johanngeorgenstadt gehörende Streusiedlung Oberjugel, direkt an der Grenze zu Tschechien gelegen, in einer Höhenlage um die 850 Meter. Der Ort ist älter als Johanngeorgenstadt selbst, das ja erst im Jahr 1654 durch böhmische Exulanten entstanden ist, die von Kurfürst Johann Georg I die Erlaubnis erhalten hatten, eine Bergstadt zu gründen.

Oberjugel

Besonders im Frühsommer zur Wiesenblüte ist es einfach eine Pracht, die einen hier erwartet. Weit und breit großflächige Bergwiesen in teils noch hervorragender Qualität, ein Anblick, der niemanden kalt lässt, der selten geworden ist und bei etwas älteren Semestern sofort Erinnerungen aus der Kinderzeit wach werden lässt, in der solche Bilder überall im Erzgebirge noch alltäglich waren. Eingestreut in die Wiesen die meist weit auseinander liegenden hübschen Anwesen, teils noch mit alten Laubbäumen umgeben. Kaum Verkehr. Ruhe. Fast eine Idylle.

Karte Jugel

Wanderroute

Rundweg bei Jugel (rot gekennzeichnet), ca. 8 km, etwa 3 Stunden,
besonders auch für Familien mit Kindern und Gelegenheitswanderer

Beschreibung der Wanderung

Wir beginnen die Wanderung im Johanngeorgenstädter Ortsteil Oberjugel an einem kleinen Parkplatz zu Beginn des Waldes am Wanderweg Richtung Sauschwemme (grüner waagerechter Strich). Nach wenigen Metern biegen wir am Hinweisschild zur Erzgebirgsschanze rechts ab und befinden uns auf dem sogenannten Henneberger Hang », einem ehemaligen Truppenübungsplatz, der Bestandteil des FFH-Gebietes „Erzgebirgskamm am Kleinen Kranichsee“ » ist.

Hennerberger Hang

Der vielfältige Offenlandbereich ist eine willkommene, lichte Abwechslung in dunklen Fichtenforst. Besonders zur Blütezeit des Heidekrauts im Spätsommer sehen wir eindrucksvolle Bilder. An der Abzweigung vor Beginn des Waldes gehen wir an der Schranke vorbei nach links und kommen nach einiger Zeit wieder auf den Hauptweg, den wir nach rechts fortsetzen. Schon bald erreichen wir die Häusergruppe Henneberg. An der Gaststätte sollten wir keinesfalls vorbeieilen. Wir können uns nicht nur um unser leibliches Wohl kümmern, sondern auch die Schönheit der Natur genießen. Und zwar in Form einer bemerkenswerten Schmetterlingssammlung, die während der warmen Jahreszeit dort immer zu sehen ist. Mit deren Hilfe können wir auch einen grazilen Moorbewohner bewundern, den Hochmoorgelbling ». In freier Natur wird uns das vermutlich nicht gelingen, denn er ist wahrlich eine Seltenheit.
Nur wenige Meter weiter befindet sich der Kleine Kranichsee », ein wertvolles, weitgehend intaktes Hochmoor, das als Naturschutzgebiet unter Schutz steht. Ein Bohlenweg mit Aussichtsplattform führt in das Moor hinein und macht es bis zum Moorkern sichtbar, ein Anblick, der seine Wirkung nie verfehlt. Man hat bei uns nicht allzuviele Gelegenheiten, ein Stück weitgehend unberührte Natur so ausgebreitet vor sich zu sehen. Bitte halten Sie sich bei aller Begeisterung trotzdem an das Betretungsverbot, es hat seine Berechtigung: Moore sind sehr sensible Bereiche und viele ihrer Bewohner sehr störanfällig. Wir gehen dann weiter den Weg Richtung Sauschwemme, bis wir den Henneberger Flügel erreichen, dem wir nach rechts folgen (gelber waagerechter Strich). An der ersten Abzweigung an der Schutzhütte biegen wir nach rechts ab (Reitweg) in Richtung Lehmer Grund, den wir schnell erreicht haben und bergab folgen. Im Tal treffen wir auf den Bergbaulehrpfad, auf dem wir nach rechts weiterwandern. Wir kommen nach Unterjugel und folgen jetzt immer der Markierung mit dem grünen waagerechten Strich, gehen nach rechts die wenig befahrene Jugelstraße hinauf, von der aus wir den Ortsteil  Oberjugel mit seinen Einzelgehöften, Häusergruppen und weitläufigen Grünlandbereichen bestaunen können. Besonders beeindruckend sind einige Hauswiesen », die noch weitgehend nach althergebrachter Weise bewirtschaftet werden, zu  den wertvollsten Bergwiesen in der Region zählen und deshalb nicht nur göttliches Heu liefern, sondern auch bei den vom LPV Westerzgebirge organisierten Bergwiesenwettbewerben regelmäßig die ersten Plätze „einfahren“. Wir kommen an einem stattlichen Bergahorn vorbei, der als Naturdenkmal unter Schutz steht. Fast am Ende des Ortes gehen wir dann nach rechts und erreichen schon bald den Ausgangspunkt der Wanderung.

Besonderheiten

FFH-Gebiet „Erzgebirgskamm am Kleinen Kranichsee“

Das FFH-Gebiet liegt zwischen 850 und 952 m ü. NN und ist 330 ha groß. Es besteht aus zwei Bereichen, dem 310 ha großen Komplex um den Kleinen Kranichsee, das Butterwegmoor und den Henneberger Hang, sowie der etwa 20 ha großen Offenlandfläche im Südosten von Oberjugel. Das gesamte Gebiet liegt in der Schutzzone I im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.
Folgende FFH-Lebensraumtypen wurden festgestellt: trockene Heiden, artenreiche Borstgrasrasen, Berg-Mähwiesen, lebende Hochmoore, Übergangs- und Schwingrasenmoore, Bergkiefern-Moorwälder, Fichten-Moorwälder, montane Fichtenwälder.

Arnika

Flächenmäßig dominiert der Wald, aber die eingestreuten halboffenen und offenen Bereiche machen das FFH-Gebiet ausgesprochen abwechslungsreich und interessant, aber natürlich auch zu einem Lebensraum für viele seltene und gefährdete Arten wie beispielsweise: Arnika, Langblättriger Sonnentau, Rosmarinheide, verschiedene Orchideen, Hochmoor-Mosaikjungfer, Hochmoor-Gelbling, Kreuzotter, Sperlingskauz, Rauhfußkauz. Zurück »

Henneberger Hang

Henneberger Hang

Mitten im finsteren Fichtenforst tut sich plötzlich völlig überraschend eine etwa 20 ha große Offenlandfläche auf, die eigentlich nicht hierher gehört und ihre Ursache darin findet, dass sich hier bis Ende der 1980er Jahre ein militärischer Übungsplatz befand: der Henneberger Hang. Das Areal, ein vielfältiges Mosaik aus Zwergstrauchheiden, Borstgrasrasen, kleinen Bergmähwiesen und Kleingewässern, hat sich zu einem ausgesprochen wertvollen Lebensraum für viele seltene, licht- und wärmebedürftige Pflanzen und Tiere entwickelt, die es sonst hier nicht gäbe. Weil das so bleiben soll, bedürfen die Flächen einer sorgfältigen Pflege, die zum großen Teil vom Naturschutzzentrum Erzgebirge durchgeführt wird. Nur dadurch wird es möglich, dass wir dieses Kleinod weiterhin bestaunen können und solche Arten wie Alpen-Flachbärlapp und Keulenbärlapp, Heiderötling, Kleine Goldschrecke, Bunter Grashüpfer, Großer Perlmuttfalter, Dukatenfalter, Braune Mosaikjungfer usw. auch in Zukunft hier oben eine Chance zum Leben bekommen. Zurück »

Kleiner Kranichsee

Der Kleine Kranichsee ist natürlich auch im Winter schön, aber ausdrücklich empfohlen sei dessen Besuch in den Zeiten, in denen er nicht von Bergen von Schnee bedeckt ist, der die kleineren unter den Moorkiefern förmlich unter sich begraben hat. Erst dann kommt das Moor in seiner Einmaligkeit und Schönheit so recht zur Geltung.
Wir haben eines der besterhaltenen Kammmoore des Erzgebirges vor uns, das sich einschließlich Moorkern fast komplett auf deutscher Seite befindet. Es liegt um die 930 m ü. NN und wurde 1939 als Naturschutzgebiet (NSG) „Kleiner Kranichsee“ mit einer Größe von 29 ha unter Schutz gestellt. 2011 wurde das NSG um das Butterwegmoor und den Henneberger Hang und die dazwischen liegenden Bereiche auf 104 ha erweitert und heißt jetzt „Kleiner Kranichsee, Butterwegmoor und Henneberger Hang“.
Das Wasserscheidenmoor entwässert nach Süden zur Rolava / Rohlau (Einzugsgebiet der Ohre / Eger) und nach Norden über den Lehmergrundbach zum Schwarzwasser (Einzugsgebiet der Mulde).

Kleiner Kranichsee

Im Handbuch der Naturschutzgebiete der DDR aus dem Jahr 1974 wird der Kleine Kranichsee und seine nähere Umgebung noch als Zentrum des Auerhuhnvorkommens im oberen Westerzgebirge bezeichnet. Auch Birkhuhn, Alpenbirkenzeisig, Fichtenkreuzschnabel, Wiesenpieper, Rauhfußkauz, Sperlingskauz, Waldschnepfe und Bekassine werden genannt. Es ist schon deprimierend, feststellen zu müssen, dass selbst aus einem so hochwertigen Naturschutzgebiet mittlerweile wahrscheinlich vier dieser Arten, also fast die Hälfte, verschwunden sind: Auerhuhn, Birkhuhn, Wiesenpieper, Bekassine.
Eine ergreifende Beschreibung unserer Moore hinterlässt uns der Tannenberger Maler und Naturschützer Carl-Heinz Westenburger (1924-2008):
„Einzigartig sind die Hochmoore, so in unserem sächsischen und tschechischen Erzgebirge. Sie haben mich in ihren Bann gezogen. Erlebniswelten besonderer Art, mit ihrer geheimnisvollen Stille zu allen Jahreszeiten, dem Rauhreif auf der Haut der Moore und Tümpel im Winter. Die Gestalten der Krüppelkiefern, Zwergbirken – mit ihrem Goldbraun im Herbst, den Früchten der Krähen-, Trunkels- und Preiselbeere, den feinen Blütenglockenpolstern der Rosmarinheide, Sonnentau und Fettkraut, die vielartigen Torfmoose, dazwischen das Blutauge, alles Kleinoder der Moorbiotope. Der Farb- und Formenreichtum vieler Insekten, irisierende Farben und Schmetterlinge zur Belebung der vorherrschenden Grünpalette und der dunklen Torferde mit all den würzigen Harzdüften, dies ist die Faszination Hochmoor.“ Zurück »

Hochmoorgelbling

Hochmoorgelbling

Foto: Olaf Wolfram, Schwarzenberg (www.digimakro.de)

Sie sind so wunderschön und anmutig, wirken gleichzeitig so zerbrechlich und angreifbar, diese Gaukler der Lüfte, deren Anblick immer wieder das Herz höher schlagen lässt und leider nicht mehr alltäglich ist, die Schmetterlinge.
Eine unserer gefährdetsten und seltensten Arten ist der Hochmoorgelbling, den es im Osten Deutschlands nur noch in Sachsen gibt und dort nur noch auf der Geyerschen Platte, im Fichtelberggebiet und in den Moorkomplexen des Westerzgebirges. Die Ursache hierfür trägt er förmlich im Namen. Er ist auf Moore angewiesen, denn die Nahrungspflanze für seine Raupe ist die Rauschbeere und die findet man nur in Mooren und deren Randbereichen. Hinzu kommt, dass sich in der Umgebung nektarspendende Pflanzenbestände wie Bergwiesen befinden müssen, die der Falter dringend braucht. Kein Wunder also, dass der Hochmoorgelbling zu den absoluten Seltenheiten unter den Schmetterlingen gehört, denn sowohl Moore als auch bunte Wiesen sind nirgends mehr im Überfluss vorhanden und sozusagen im Doppelpack erst recht nicht. Die Art wird uns nur erhalten bleiben, wenn die noch vorhandenen Moorlandschaften geschützt, nicht durch weitere Infrastruktur zerschnitten und Barrieren zu blütenreichem Offenland in der Umgebung vermieden werden. Zurück »

Hauswiesen

Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre es niemandem eingefallen und die wenigsten konnten es sich leisten, auf die Nutzung der Hauswiesen zu verzichten. Wer die Möglichkeit hatte, hielt sich Nutztiere. Kühe, Ziegen, Schafe oder zumindest Hasen drängten sich in den Ställen und mussten versorgt werden, Tag für Tag. Und dazu dienten die Hauswiesen und sie wurden gehegt und gepflegt wie von alters her. Und wenn man auf Flächen stößt, auf denen diese althergebrachte Bewirtschaftung bis heute fortgeführt wurde, dann gehen einem die Augen über bei dieser Blütenpracht und bei diesem Gewiebel und Gewabel von Schmetterlingen und anderen Insekten, die sich in diesen Oasen um die Plätze streiten und diese schönsten aller „Blumensträuße“ noch bunter und abwechslungsreicher gestalten als sie ohnehin schon sind.
Aber diese Prachtstücke werden immer seltener. Zu wundern brauchen wir uns darüber eigentlich nicht, denn die private Haltung von Nutztieren ist stark zurückgegangen. Sie lohnt sich kaum noch und wird mehr oder weniger nur noch als Hobby betrieben. Außerdem brauchen Tiere ständige Betreuung, ein Umstand, der heutzutage in vielen Berufen zum Problem wird. Auch diejenigen, die aus traditionellen Gründen oder aus Freude am Anblick solcher Wiesen an deren Bewirtschaftung festhalten sind eher Ausnahmen. Also werden Sense und Rechen mehr und mehr durch Rasenmäher oder Rasentraktoren ersetzt. Die eher unaufdringlichen, ja fast angenehmen Geräusche beim Mähen, Wetzen und Dengeln machen nervtötenden Maschinengeräuschen Platz, die uns allen zur Genüge bekannt sind und jeden Versuch zu einem wohlverdienten Mittagsschläfchen zur Qual machen. Am traurigsten aber ist, dass das Leben verschwindet. Diese Einheitsrasen, die sich weit und breit durchgesetzt haben, auf denen jede Blüte eher als Störfaktor empfunden wird, sind im Grunde genommen Friedhöfe, in denen die einstige Blütenpracht, ein reichhaltiges Tierleben und unendlich viel Mühe der Vorfahren begraben liegen.

Oberjugel

Freuen wir uns umso mehr und seien wir dankbar, wenn wir vor solch herrlichen „Relikten“ aus der Vergangenheit stehen dürfen wie hier in Oberjugel. In ihnen steckt eine Menge Arbeit, eine Menge Wissen, eine Menge Geduld, eine Menge Geschichte und Geschichten. Wir sollten Sie nicht weniger achten als beispielsweise ein gut erhaltenes historisches Gebäude. Zurück »

Moore

Wollgras

Moore spielen nicht ohne Grund eine wesentliche Rolle im Schutzgebietsnetz Natura 2000, denn natürliche und naturnahe Moore sind heutzutage Raritäten. Sie gehören zu den ältesten Lebensräumen in Europa. Ihre Entstehung begann schon nach der letzten Eiszeit vor 10000 Jahren, als das kalte, niederschlagsreiche Klima nur wenigen Pflanzen Entwicklungsmöglichkeiten bot. Dazu gehören die Torfmoose, die zum Wachsen nur Wasser und die in ihm gelösten Mineralien benötigen. Das fanden sie auf wenig geneigten Flächen und in Mulden auf undurchlässigem Untergrund und so begann damals eine faszinierende Entwicklung bis zur Gegenwart, in der wir Hochmoore mit einer Torfschicht bis über 8 Meter finden.    
Viele dieser im Laufe der Zeit in Europa entstandenen Moore gibt es aber heute nicht mehr oder nur noch in kümmerlichen Resten. Durch den Torfabbau und die Entwässerung zum Zwecke der land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung verschwanden ungeheure Flächen dieses einstmals weit verbreiteten Landschaftstyps.
Die verbliebenen Moore gehören heute zu den ganz großen Trümpfen, die das Erzgebirge hinsichtlich seiner Naturausstattung auszuspielen hat. Sowohl auf böhmischer als auch auf sächsischer Seite kann man einige von ihnen mit Fug und Recht als einmalig in Europa bezeichnen.

Sonnentau