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Themenwege

Rund um Wildenthal
Ein Dorf am Fuße des Auersberges

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rund um Wildenthal
Ein Dorf am Fuße des Auersberges

Wildenthal am Auersberg

„Blumen haben etwas Erheiterndes, Beglückendes,
vielleicht sogar einen Hauch von Paradiesischem an sich.“
Gerhard Meier (1917-2008)

„Sommerfrische Wildenthal“, so war es früher auf alten Postkarten zu lesen, als man mit den „Schneeschuhen“, wie sie damals hießen, noch nicht ganz so viel am Hut hatte. Heute werden vermutlich mehr Besucher im Winter kommen, denn mit einer Höhenlage um die 750 Meter hat man hier schon noch relativ gute Voraussetzungen für den Wintersport zu bieten und mit dem 1019 Meter hohen Auersberg einen Hausberg aufzuweisen, der nicht von schlechten Eltern ist und den Sie wahrscheinlich längst besucht haben.

Wildenthal

Es wird aber niemanden überraschen, dass wir als Naturfreunde eher den Sommer oder besser den Frühsommer bevorzugen, die Zeit der Wiesenblumenblüte, in dem diese einzigartigen Bergwiesen im Ort und um ihn herum ihre ganze Pracht und Schönheit zur Schau stellen. Dagegen ist und bleibt der Schnee eben eine ziemlich einfarbige Angelegenheit, obwohl er natürlich auch seine Reize hat, das sei unbestritten.
Einigen wir uns also darauf, dass der kleine Ort im tief eingeschnittenen Tal der Großen Bockau zu jeder Zeit im Jahr einen Besuch wert ist, denn er gehört landschaftlich ohne Zweifel zu den ersten Adressen im gesamten Erzgebirge und ein klein wenig fühlt man sich sogar an die Alpen erinnert, auch wenn keine schnee- und eisbedeckten Gipfel ins Blickfeld kommen. Die Schönheit dieser Landschaft wusste man schon vor 150 Jahren zu schätzen und das gleiche werden wir auch auf unserer kleinen Rundwanderung wieder feststellen.

Karte Wildenthal

Wanderroute

Variante 1:
Rundweg um Wildenthal (rot gekennzeichnet), ca. 3 km, etwa 1,5 Stunden,
besonders für Familien mit Kindern
und/oder
Variante 2:
Badrundweg (gelb gekennzeichnet), ca. 2,5 km, etwa 1 Stunde,
besonders für Familien mit Kindern

Beschreibung der Wanderung

Bergwiesen Wildenthal

Variante 1:
Unsere Wanderung beginnt am Parkplatz am Ortsende von Wildenthal. Wir gehen etwa 100 Meter in Richtung Oberwildenthal, biegen dann am Friedhof links ab, überqueren die Große Bockau » und sehen rechts vom Weg das Flächennaturdenkmal „Wiese am Friedhof“ liegen, das von der Naturschutzstation Erzgebirge gepflegt wird; eine artenreiche Bergwiese mit nassen Bereichen, in der besonders die vielen Alantdisteln ein wunderbares Bild abgeben. Besonders beeindruckend ist auch die Vielfalt an Schmetterlingen, die man zu bestimmten Zeiten dort antrifft.  Wir befinden uns jetzt auf dem sogenannten Dorfring, dem wir immer am Waldrand entlang folgen. Von dort aus haben wir sehr schöne Ausblicke auf Wildenthal », den Ellenbogen und den Brückenberg, das zum FFH-Gebiet „Tal der Großen Bockau“ » gehörende Offenland mit den großflächigen Bergwiesen », die vom Landschaftspflegeverband Westerzgebirge gepflegt bzw. pfleglich genutzt werden, sowie die sie umgebenden Wälder. Bald treffen wir auf den Hanggraben, der bis zur Talsperre Sosa verläuft und dem wir ein Stück weit folgen, bis wir an eine Straße kommen, die rechts auf den Auersberg führt und links in den Ort zurück. Wir halten uns links und gehen weiter geradeaus durch das Dorf bis zu einem kleinen Parkplatz, vor dem wir links die Straße schräg hoch gehen. Nach einiger Zeit sind wir wieder in der freien Flur und treffen erneut auf den Hanggraben, den wir schon vermisst haben und dem wir nach alter Gewohnheit folgen, bis wir am Friedhof angelangt sind, auf dem schon mancher rüstige Wandersmann seine letzte Ruhe gefunden hat. Für uns geht es aber weiter zum Parkplatz, der nur einen Katzensprung entfernt liegt.

Tiech am Badweg Wildenthal

Variante 2:
Während der Weg auf dem Dorfring am Waldrand entlang, durch die Feldflur und den Ort verläuft, führt der Badrundweg vorwiegend durch den Wald. Dazu gehen wir vom Parkplatz am Ortsende ein Stück das Dorf hinunter, bis wir auf die Straße nach Carlsfeld treffen, die wir etwa 100 Meter entlang gehen, um dann nach rechts auf den Badrundweg eiszuschwenken. Wir überqueren den Glashüttenbach und schon sind wir im Wald. Am Wegrand stehen alte, vermooste Bergahornbäume. Die Moospolster zeigen uns an, dass es sich um ein sehr feuchtes Waldgebiet handelt. Und das bekommen wir auf unserem Weg allenthalben bestätigt: Wenn es in letzter Zeit viel geregnet hat, kommen aus allen Ecken und Enden kleine Bäche hervor und grüßen uns mit ihrem Rauschen. Bald sind wir am alten Waldbad angelangt und sollten uns etwas umschauen. Kurz danach schwenkt dann der Weg um in Richtung Dorf. Die Waldwiesen unterhalb des Bades gehören zum FFH-Gebiet und werden ebenfalls vom Landschaftspflegeverband gepflegt. Bald ist der Ortsrand erreicht und wir haben auf dem steil abfallenden Weg noch einmal schöne Ausblicke auf Wildenthal und sein Umfeld. Wir treffen dann auf die Hauptstraße und gehen den Ort hinauf, bis wir am Parkplatz anlangen.

Besonderheiten

FFH-Gebiet „Tal der Großen Bockau“ / Naturschutzgebiet „Bockautal“ / Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“

Das sehr abwechslungsreiche FFH-Gebiet „Tal der Großen Bockau“ ist 410 Hektar groß und erstreckt sich von Wildenthal bis Blauenthal entlang der Großen Bockau. Es hält u.a. naturnahe Buchenwälder, naturnahe Fließgewässer und bezaubernde Bergwiesen in teils sehr steiler Hanglage für den Besucher bereit und ist durch verschiedene Wanderwege gut erschlossen.

Bergwiese Wildenthal

Im Gebiet kommen gefährdete Arten vor wie Arnika, Waldläusekraut und verschiedene Orchideen.

Im FFH-Gebiet befindet sich das 33 Hektar große Naturschutzgebiet „Bockautal“, das 1961 unter Schutz gestellt wurde. Es liegt knapp unterhalb des Ortes Wildenthal am westlichen Talhang der Großen Bockau in einer Höhe von 615 bis 710 m ü NN und dient vor allem dem Erhalt naturnaher Buchenwaldgesellschaften.

Große Bockau

Ab etwa dem 15. Jahrhundert benötigten die aufblühenden Berg-, Hütten- und Hammerwerke Unmengen an Holz. Auch die Große Bockau wurde zur Flößerei genutzt und am Oberhang des heutigen NSG der acht Kilometer lange Grüne Graben zu diesem Zweck extra angelegt. Um so erstaunlicher ist es, dass dem Wald dort in der Mitte des 18. Jahrhunderts immer noch „Urwaldcharakter“ zugeschrieben werden konnte und ein weitgehend naturnaher Wald erhalten geblieben ist. Vielleicht hängt das mit der steilen Hanglage und den vielen Felsbildungen zusammen, die dieses Waldgebiet auszeichnen. Auch heute noch dominiert der Buchenwald, wenn auch mit hohem Fichtenanteil, der aber durch gezielte Waldbewirtschaftung allmählich verringert werden soll. Auch den Bergahorn findet man und besonders erfreulich sind der hohe Totholzanteil und einige vitale Weiß-Tannen, die selbst noch für Nachwuchs sorgen. Als Vertreter der Vogelwelt seien die seltene Hohltaube, der Schwarzspecht und der Gauspecht genannt. Das NSG soll auch in Zukunft nicht regulär bewirtschaftet werden, sondern Naturschutzaspekte im Vordergrund stehen.

Nicht unerwähnt bleiben darf das Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“, das mit seinen 6600 Hektar flächenmäßig weit über das FFH-Gebiet hinausgeht. Es liegt zwischen Klingenthal im Westen und Johanngeorgenstadt im Osten. Die Südgrenze verläuft entlang der Grenze zu Tschechien. Die Nordgrenze findet sich etwa in Höhe von Carlsfeld, im Tal der Großen Bockau erstreckt sie sich weiter nach Norden, fast bis Eibenstock und bis an die Mulde hinunter. Das Gebiet besteht zum großen Teil aus Wäldern und Mooren, aber auch die Offenlandbereiche um Carlsfeld und Wildenthal sind mit inbegriffen. Es sind naturgemäß vor allem Arten der Wälder und Moore wie Birkhuhn, Rauhfußkauz, Sperlingskauz, Schwarzspecht und Grauspecht, die im Mittelpunkt des Schutzes stehen. Zurück »

Große Bockau

Oberwildenthal

Das Tal der Großen Bockau zählt wohl zu den schönsten, die wir im Erzgebirge haben und kaum einer hat es wohl schöner beschrieben als der Eibenstocker Lehrer und Heimatfreund Otto Findeisen (1860-1937), der zu recht begeistert war:
„Die Wanderung durch das Tal der Großen Bockau ist ein herrlicher Genuss. Ihre Quelle liegt an der böhmischen Grenze. Sie fließt bei fast genau nördlichem, 15 km langem Laufe am Fuße des Auersberges dahin durch Wildenthal und Zimmersacher und mündet bei Blauenthal in die Mulde. An Lieblichkeit kommt dieser Grund allen anderen berühmten Tälern deutscher Mittelgebirge vollständig gleich ... Eine Wonne ist’s hier zu wandern, zu weilen. Die Talwände treten stellenweise ganz eng zusammen und umsäumen einen schmalen Wiesenstreifen. Hohe Tannen, schlanke Fichten schauen freundlich auf den Lustwandelnden hernieder. Im Frühling drängt sich zwischen die dunklen Gestalten hie und da hellgrünes Laub der Buchen und Birken. Steile Felswände streben hoch empor; mächtige Blöcke und wunderlich geformte Spitzen und Zacken, Nasen und Türme erhöhen die Romantik des Tales. Auch unsere Altvorderen verstanden es sehr gut, bei forstlichen Maßnahmen allenthalben Schönheitsrücksichten zu beachten.“
Auf unserem Rundweg bekommen wir nur einen Bruchteil davon mit, welche Vielfalt dieses Tal zu bieten hat. Sie sollten es also nicht versäumen, bei passender Gelegenheit einmal eine Tour entlang der Großen Bockau zu machen. Zurück »

Wildenthal

Wildenthal Ellenbogen

Die Häuser von Wildenthal kleben förmlich an den Hängen des tiefen Kerbtales, das sichdie Große Bockau hier geschaffen hat und das wenig Raum für eine landwirtschaftliche Nutzung bietet, eines der tiefsten Täler des Erzgebirges überhaupt. Die Wälder haben also den kleinen Ort förmlich eingeschlossen. Früher gab es noch etwas mehr Offenland, wie die Vergleichsfotos im nächsten Punkt zeigen. Und auch so mancher Aussichtspunkt ist verschwunden oder besser gesagt, zugewachsen, wie die „Schöne Aussicht“, von der aus der Kenner und Genießer der Region Otto Findeisen, den wir hier noch einmal zu Wort kommen lassen, den Ort noch bewundern konnte:
„Einzigartig ist von hier aus der Blick auf Wildenthal. In einen tiefen Grund, gesäumt von gewaltigen Berghängen – dort der Auersberg, hier der Ellbogen mit dem Halbenberg, dahinter der Steinberg –, schaust du, in welchem die Häuserchen malerisch ausgebreitet auf grünem Teppich ruhen. Wie ein gewaltiger, tiefer Kessel erscheint dir die Landschaft. Gar anmutig  schlingt die Bockau ihr Silberband durch das liebliche Gefilde. Stattlich nehmen sich die weißen Wege und Straßen mit ihren Alleen aus. Prächtig wirken die runden, oft mächtigen Laubkronen, durch deren Grün das weiße Gemäuer schimmert. Ein Hochgebirgsbild kann nicht schöner sein. Du staunst immer wieder über die gewaltigen Bergrücken, die tief in das Tal hinunter steigen, geschmückt mit dem immergrünen Walde. Ein Bild – des Pinsels eines Künstlers wert – ist es, großartig in seiner Szenerie, bewunderungswürdig in seiner Schönheit, ergreifend in seiner Schlichtheit.“ Zurück »

Offenland / Bergwiesen

In diesem Ozean von Wäldern nehmen sie sich wie kleine, verlorene Inseln aus, die wenigen Offenlandbereiche im oberen Auersberggebiet. Aber hier lässt sich bedenkenlos das Motto „Klasse statt Masse“ zur Anwendung bringen, denn man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Bergwiesen  und –weiden, die sich im Umfeld der wenigen Orte hier oben erhalten haben, mit zu den wertvollsten und schönsten im gesamten Erzgebirge zählen. Es hat sich „ausgezahlt“, dass eine intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung des Grünlands in der Nähe und auf dem Erzgebirgskamm nicht lohnend oder nicht möglich ist. Ob man nun nach Wildenthal, Carlsfeld, Steinbach oder Jugel schaut, zur Zeit der Bergwiesenblüte erwarten einen bunte Blütenteppiche, die das Herz erfreuen und sich wohltuend vom dunklen Grün der umliegenden Wälder abheben.

Wildenthal früher

Wildenthal heute

Dass das Offenland schon beachtlich an Boden eingebüßt hat, haben wir schon festgestellt und das zeigen auch diese Bilder. Es gehört also zu den wichtigsten Aufgaben des Naturschutzes und der Landschaftspflege, ist aber ebenso im Sinne von Naherholung und Tourismus, das noch bestehende Offenland zu erhalten.
Die Bergwiesen in und um Wildenthal gehören in Ausdehnung, Artenvielfalt und Buntheit zu den bedeutendsten im Westerzgebirge. Zurück »

Landschaftspflege

Landschaftspflege in Wildenthal

Die Landschaftspflege ist, zumindest in den Ausmaßen, in denen sie heute betrieben wird, eine relativ neue, junge Form der Landnutzung, wenn wir dieses vielleicht nicht ganz passende Wort hier anwenden wollen. Die noch vor wenigen Jahrzehnten übliche bäuerliche Wirtschaftsweise mit ihren im Vergleich zu heute bescheidenen technischen Möglichkeiten, die noch mit viel Handarbeit verbunden war, brachte fast automatisch und fast flächendeckend eben solche Flächen mit ihrer reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt hervor, deren Reste wir heute mit so viel Freude betrachten und zu erhalten versuchen. Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in der Landwirtschaft haben sie weitgehend auf abgelegene und/oder schwer zu bewirtschaftende Standorte zurückgedrängt. Die heute übliche Großtechnik ist für den Einsatz dort ungeeignet und die zu ihrem Erhalt erforderliche extensive Bewirtschaftungsweise passt nicht so recht in die Betriebsabläufe, wie sie in Landwirtschaftsbetrieben heutigen Zuschnittes üblich sind. So mussten neue Formen der Landnutzung gefunden werden, die diesen Flächen gerecht werden. Ein Teil der Flächen wird also nicht mehr im ursprünglichen Sinne genutzt, sondern „gepflegt“. Aber viele Einrichtungen, die Landschaftspflege betreiben, versuchen, häufig in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben, die ursprünglichen Nutzungsformen wie die Heuwerbung weiter zur Anwendung zu bringen, wenn dies möglich ist. Das Wort Landschaftspflege hat also seine Tücken. Jedenfalls ist die Landschaftspflege mittlerweile zu einem unverzichtbaren Werkzeug zum Erhalt und zur Entwicklung des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 geworden.
Pflege als auch pflegliche Nutzung können nur mit Hilfe finanzieller Unterstützung durch das Land und die EU aufrechterhalten werden. Hoffen wir also, dass diese Förderung auch in der Zukunft im ausreichenden Maße erhalten bleibt, sonst breitet sich der Wald noch weiter aus und dieser Dreiklang aus Wald, Siedlung und Offenland geht verloren, der doch viel zum Zauber dieser Region beiträgt oder ihn überhaupt erst ausmacht.