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Themenwege

Am Erzgebirgskamm bei Carlsfeld
Von „wilden Hühnern“ und anderen Merkwürdigkeiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Erzgebirgskamm bei Carlsfeld
Von „wilden Hühnern“ und anderen Merkwürdigkeiten

Carlsfeld

„Jeder möchte die Kunst verstehen.
Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen.

Pablo Picasso (1881-1973)

Man nennt die Gegend um Carlsfeld „Sapperland“. Und das kommt nicht von „sabbern“ her, dem vor allem bei jüngeren Erdenbürgern weit verbreiteten sichtbaren Speichelfluss, der dann in der Blüte des Lebens in der Regel für einige Zeit verschwindet, um dann im höheren Alter wieder vermehrt aufzutreten. Nein, mit „Sapper“ ist ein Filzlatsch zum Warmhalten der Füße gemeint, der sich bei den Carlsfeldern besonderer Beliebtheit erfreut und nicht nur bei wohliger Wärme in der Wohnung, sondern auch bei klirrender Kälte im Freien zuverlässige Dienste geleistet haben soll.

Weitersglashütte

Carlsfeld und Weitersglashütte gelten als die schneesichersten Orte der Region und folgerichtig setzt man bei den touristischen Angeboten vor allem auf Wintersport aller Art. Aber selbst in dieser Höhenlage von um die 900 Meter wird der Schnee immer öfter zum raren Gut und zwingt die Touristiker, ihre Angebotspalette zu erweitern. Die Voraussetzungen dazu sind in Carlsfeld nicht von der schlechtesten Sorte, denn die Umgebung des Ortes kann mit einer Naturausstattung punkten, die man durchaus als einmalig bezeichnen darf, die aber eigentlich noch zu wenig Beachtung findet. Im Grunde genommen steht die ganze Gegend unter europäischem Naturschutz und das nicht ohne Grund. Mehr dazu werden wir auf unserer Wanderung erfahren.

Karte Carlsfeld

Wanderroute

Rundweg bei Carlsfeld (rot gekennzeichnet), ca. 10 km, etwa 3 Stunden, für den Gelegenheitswanderer

Beschreibung der Wanderung

Die Wanderung beginnt am Parkplatz am Ortsausgang von Weitersglashütte am Beginn der Frühbußer Straße. Wir gehen durch das sehenswerte Örtchen und die Wiesen und Borstgrasrasen links gehören schon zum FFH-Gebiet „Erzgebirgskamm am Großen Kranichsee“ und gleichzeitig zum Naturschutzgebiet „Großer Kranichsee“ ». Am Ortsausgang halten wir uns links und gehen in Richtung Carlsfeld. Im Wald linkerhand liegt das sogenannte Hochmoor „Weiters Glashütte“, früher ein eigenständiges Naturschutzgebiet, jetzt zum NSG „Großer Kranichsee“ gehörig. Bald haben wir das Ende des Offenlandes erreicht und gehen etwa 200 m durch den Wald und zweigen dann links ab. Es geht nach einiger Zeit am Waldrand weiter und wir erreichen bald den Teichhäuselweg, dem wir nach rechts folgen. Wir kommen dann an die Carlsfelder Hauptstraße, die wir überqueren, um dann dem Ackerweg zu folgen, an dem uns gleich zu Beginn ein Flächennaturdenkmal mit wertvollen Wiesenbereichen erfreut. Wir folgen dem Ackerweg geraume Zeit quer durch die Wiesen und Weiden des FFH-Gebietes und genießen die schönen Ausblicke auf den Ort Carlsfeld und seine Umgebung, bis wir auf den Schnorr von Carolsfeld Weg  treffen, dem wir nach links folgen und der uns ins Zentrum des Ortes mit der sehenswerten Trinitatiskirche führt, die 1684-88 entstanden ist und als ältester Rundbau Sachsens gilt.
Wir gehen einige Meter das Dorf nach oben, überqueren dann die Wilzsch und gehen die Talsperrenstraße hinauf, von wo aus wir noch einmal schöne Ausblicke auf den Ort und die ihn umgebende Feldflur haben. Bald erreichen wir den Wald und halten uns an den Sachsenberger Weg. Nach etwa 600 m machen wir einen kleinen Abstecher zur Talsperre Weiterswiese », genießen von der Staumauer aus den schönen Anblick der Wasserfläche und machen uns unserer Gedanken, was wohl darunter so alles verschwunden sein mag, ehe wir zurück gehen und unseren Weg auf dem Sachsenberger Weg fortsetzen, auf dem wir dann zu der Stelle kommen, an dem die Wilzsch in die Talsperre Weiterswiese einfließt. 200 m weiter erreichen wir die Wegkreuzung von Sachsenberger Weg und Flößweg, auf dem wir nach links unsere Wanderung fortsetzen. Südlich von uns liegt das eigentliche Hochmoor Großer Kranichsee, von dem wir aber nichts sehen. Der frühere Aussichtsturm existiert nicht mehr, es gibt keinen offiziellen Zugang, das Moor ist zum Teil Totalreservat und darf nicht betreten werden und das sollten wir auf Grund der Sensibilität der Flächen und der dort lebenden Pflanzen und Tiere unbedingt akzeptieren. Wer sich einen Eindruck vom Flair eines Hochmoores verschaffen will, der sollte den Kleinen Kranichsee (Aussichtsplattform!) besuchen. Auch dunsere Wanderung wird uns nach wenigen Metern noch einen kleinen Einblick in die Welt der Moore gestatten. Dass man einige Flächen möglichst von Besuchern frei hält, ist natürlich auch im Sinne der Birkhühner, den Rest an „wilden Hühnern“ », den wir zur Zeit in der Region noch haben, denn es sind sehr scheue und störanfällige Vögel, die unbedingt ihre Ruhe brauchen.
Wir setzen die Wanderung auf dem Flößweg fort und treffen auf die Frühbußer Straße, der wir nach links in Richtung Weitersglashütte folgen. Zuvor an der Kreuzung laufen wir aber entlang eines Trampelpfades in Richtung Grenze, denn hier erwartet uns der schon angekündigte Ausblick auf ein Hochmoor auf tschechischer Seite.

Eberesche Frühbußer Straße

Zurück auf der Frühbußer Straße achten wir besonders auf die verwitterten Gestalten der Vogelbeerbäume, auf denen sich interessante Moose, Pilze und Flechten angesiedelt haben. Recht bald haben wir dann auch das Ziel unserer Wanderung erreicht.
Unsere Wanderung hat uns die ganze Zeit durch das Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“ » geführt und auch wenn wir wahrscheinlich keinen „Raritäten“ begegnet sind, so ist es doch ein gutes Gefühl, dass zumindest einige von ihnen hier oben noch eine Heimat haben.

Besonderheiten

FFH-Gebiet „Erzgebirgskamm am Großen Kranichsee“ / Naturschutzgebiet „Großer Kranichsee“

Bei diesem 999 Hektar großen FFH-Gebiet handelt es sich um ein sehr bedeutendes Hochmoorgebiet in den Kammlagen des Erzgebirges. Es besteht aus waldfreien Kernflächen, Bergkiefern- und Fichten-Moorwäldern sowie Regenerationsflächen. Auch großflächige, naturnahe, gut ausgeprägte montane Fichtenwälder zeichnen das Gebiet aus. Aber auch wertvolle Bergwiesen- und Borstgrasrasenbereiche in der Feldflur von Carlsfeld und Weitersglashütte, die teils beweidet, teils zur Heugewinnung genutzt und teils vom Naturschutzzentrum Erzgebirge oder vom Landschaftspflegeverband Westerzgebirge gepflegt werden, tragen zum hohen Wert dieses FFH-Gebietes bei.
Zum Gebiet gehören die beiden Naturschutzgebiete „Großer Kranichsee“ und „Dreibächel“ und einige Flächennaturdenkmale. Es ist Lebensraum vieler gefährdeter Arten wie: Arnika, Wald-Läusekraut; verschiedene Torfmoose, Bärlappe, Orchideen, Flechten; Kreuzotter, verschiedene Libellenarten usw.

Das Naturschutzgebiet „Großer Kranichsee“ erstreckt sich mittlerweile weit über den namengebenden Bereich hinaus. 2008 wurde es nochmals erweitert, indem es mit dem NSG „Hochmoor Weiters Glashütte“ zusammengelegt und durch die dazwischen liegenden Waldbereiche und die Talsperre Weiterswiese verbunden wurde. Damit ist das Gebiet heute 611 Hektar groß, das größte NSG im sächsischen Erzgebirge. Das NSG enthält vier Bereiche, die als Totalreservat ausgewiesen sind und in denen keinerlei Bewirtschaftung mehr erfolgt. Diese Bereiche dürfen nicht betreten werden.
Der eigentliche Große Kranichsee erstreckt sich über beide Seiten der Grenze und ist sowohl in Tschechien als auch in Sachsen schon lange Naturschutzgebiet sind. Schon 1912 wurde der sächsische Teil unter Schutz gestellt, als eines der ersten Gebiete in Sachsen.

Großer Kranichsee

Der Kranichsee liegt in einem Sattel unterhalb des Jeřábí vrch (964,6 m ü. M.), auf dem Grenzkamm des Erzgebirges, zeichnet sich durch reiche Moorkieferbestände und eine große Zahl verhältnismäßig tiefer kleiner Seen aus. Zurück »

Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“

Das Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“ ist reichlich 6600 Hektar groß und liegt zwischen Klingenthal im Westen und Johanngeorgenstadt im Osten. Die Südgrenze verläuft entlang der Grenze zu Tschechien. Die Nordgrenze findet sich etwa in Höhe von Carlsfeld, nur im Tal der Großen Bockau erstreckt sie sich weiter nach Norden, fast bis Eibenstock. Das Gebiet besteht zum großen Teil aus Wäldern und Mooren, aber auch die Offenlandbereiche um Carlsfeld und Wildenthal sind mit inbegriffen.
Die europäischen Vogelschutzgebiete dienen dem Schutz der in Europa gefährdeten Vogelarten, wie man am Namen unschwer erkennen kann. Im Gebiet „Westerzgebirge“ sind dies naturgemäß vor allem Arten der Wälder und Moore wie Auerhuhn, Birkhuhn, Rauhfußkauz, Sperlingskauz, Schwarzspecht und Grauspecht, wobei man das Auerhuhn wahrscheinlich streichen kann.

Carlsfeld

Aber auch die schon erwähnten Offenlandbereiche und die Talsperre Weiterswiese sind von Bedeutung. Zurück »

Weiterswiese

Talsperre Weiterswies

Die Trinkwassertalsperre Weiterswiese ist die höchstgelegene in Deutschland und wurde schon 1927 erbaut. Ihren Namen hat sie von der ehemaligen Ortschaft namens Weiterswiese übernommen, mit richtigen Häusern und Menschen und Wiesen und Weiden und Tieren und Pflanzen, die sich einstmals genau an diesem Ort befand. All das wurde gewissermaßen vom Wasser begraben und nur noch die alten Bilder und einige wenige Beschreibungen halten die Erinnerung daran wach. Bei dem Heimatforscher Siegfried Sieber lesen wir:
„Dicht an der Grenze und nahe dem Großen Kranichsee führte einst ein alter Saumpfad über das Gebirge ins Egerland durch die kleine Siedlung Weiterswiese. Dies war eine echte Kammstreusiedlung mit 8 erzgebirgischen Eindachhäusern in einer Höhenlage von fast 900 m ü. NN, darunter ein kleines Wirtshaus und das sogenannte Steigerhaus am Bergwerk ‚Segen Gottes‘.“

Weiterswiese
Foto: Archiv Stickereimuseum Eibenstock

Er war ein hübscher Ort, Weiterswiese, wie man auf der alten Postkarte sehen kann. Das Leben war hart hier oben, fast auf dem Kamm, aber man hatte sein Auskommen und schlug sich so durch.
Naturgemäß hat sich die Vogelwelt auf diesem Fleckchen Erde völlig umgestellt, denn die vormals sicherlich vorhandenen Wiesenbrüter wie Wiesenpieper, Braunkehlchen, Feldlerche etc. konnten sich mit dem kühlen Nass nicht sonderlich anfreunden. Wenn sie auch nicht gerade in den Fluten versunken sind, so haben sie doch recht schnell gemerkt, dass hier für sie nichts mehr zu holen ist. Stattdessen findet man heute einige, wenn auch nicht viele, Wasservögel wie Krickente, Reiherente und Stockente vor, die diese neue Bademöglichkeit sicher recht bald entdeckt hatten.
Zuweilen soll der Flussregenpfeifer hier sein Brutgeschäft verrichten. Zurück »

„Wilde Hühner“

„In den Wäldern der Kammlagen, zwischen Kleinem und Großem Kranichsee, leben an seltenen Waldhühnern noch etwa 50 Stück Auerwild und etwa 10 Stück Birkwild. Obwohl diese Arten völlige Schonzeit genießen, geht ihr Bestand weiter zurück. Andere Arten sind im Bereich der ehemaligen Oberforstmeisterei Eibenstock bereits gänzlich verschwunden, wie dies aus den letzten Erwähnungen in Abschußlisten ersichtlich ist: 1883 Haselwild, 1897 Fischotter, 1920 Kaninchen und 1925 Schnepfen.“
Siegfried Sieber (1885-1977), „Um Aue, Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt. Werte unserer Heimat Band 20.“, 1972

Hühnervögel, ob nun die „wilden Hühern“ in der freien Natur oder die Haushühner in den Dörfern, sie alle gehören zu den Verlierern der Moderne. Das Haushuhn an sich ist zwar zahlreicher als je zuvor, aber aus den Dörfern ist es weitgehend verschwunden. Man hat es in Ställe unerhörten Ausmaßes gesperrt, wo es oft ein hühnerunwürdiges Dasein führen muss, damit wir unser Frühstücksei zum Spottpreis in uns hineinstopfen können.
Seine wilden Verwandten hingegen sind nicht nur gut versteckt und unseren Blicken entzogen wie ihre domestizierten Kollegen und Kolleginnen, sondern tatsächlich weitgehend verschwunden, bis auf die kleine Wachtel, deren niedliches „pick wer wick“ sich zuweilen noch aus den Wiesen und Feldern vernehmen lässt. Das Haselhuhn hat schon vor einer halben Ewigkeit dem Erzgebirge „leb‘ wohl“ gesagt. Der stolze Auerhahn, der in den Wäldern um Carlsfeld sein letztes Rückzugsgebiet in Sachsen hatte, hat den Sprung ins neue Jahrtausend nicht geschafft, wird seit geraumer Zeit vermisst und mit aller Wahrscheinlichkeit nie wieder aufgefunden werden. Selbst der einstmals recht häufige Bewohner unserer Feldflur, das Rebhuhn, hat sich mit Beginn des neuen Jahrtausends aus dem gesamten sächsischen Erzgebirge verabschiedet. Treuherzig, wie es seine Art ist, war es vor fast 1000 Jahren dem Menschen auch in die neu erschlossenen Lebensräume des Erzgebirges gefolgt und hatte über lange Zeit durchaus ein gutes Leben, bis die moderne Landnutzung seine Lebensräume derart verhunzte, dass ihm nur der totale Rückzug blieb.

Birkhuhn
Foto: Jan Gläßer, Grießbach

Nur das Birkhuhn lässt die Flügel noch nicht völlig hängen, hält sich tapfer in einigen wenigen Gebieten auf dem Kamm des Erzgebirges, allerdings zum weit überwiegenden Teil auf der böhmischen Seite. Nach dem Orkan Kyrill im Januar 2007 mit seinen verheerenden Windwürfen tauchte das Birkhuhn, das man deshalb auch als einen „Katstrophenvogel“ bezeichnet, sogar wieder als Brutvogel auf sächsischer Seite im Kammgebiet bei Carlsfeld auf, wo es eigentlich schon verschwunden war. Leider wird dies aber aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine recht kurze Episode sein, weil sich der Wald durch natürliche Sukzession, vor allem aber durch die schnelle Aufforstung, bald wieder schließen wird und damit diesem Bewohner der Grenzbereiche zwischen Wald und Offenland alle Lebensmöglichkeiten verloren gehen. Obwohl das tschechische und das sächsische Erzgebirge eine enorme Bedeutung und Verantwortung für den Erhalt des Birkhuhns in Europa haben, wirken die Schutzbemühungen relativ hilflos und halbherzig. Das komplexe Netz von Gefährdungsursachen wie Aufforstungen, Störungen durch Tourismus und Sport, Straßen- und Wegebau, Errichtung von Windkraftanlagen, Zunahme der Beutegreifer usw. lässt die Bestände zunehmend schwinden und die eingeleiteten Schutzmaßnahmen wirken wie ein Tropfen auf den heißen Stein. „Pritzelkram ist der Naturschutz, so wie wir ihn haben. Der Naturverhunzung dagegen kann man eine geniale Großzügigkeit nicht absprechen. Die Naturverhunzung arbeitet ‚en gros’, der Naturschutz ‚en detail’.“ Diese Worte hat Hermann Löns (1866-1944) schon 1911, vor reichlich hundert Jahren also, bei einer Rede vor dem Bremer Lehrerverein gesagt. Sie haben nicht viel von ihrer Gültigkeit verloren, wenn man es einmal diplomatisch ausdrücken will. Es ist durchaus fraglich, ob das Birkhuhn, dieser überaus attraktive und interessante Hühnervogel, im Erzgebirge eine Zukunft haben wird. Zurück »

Schutz der Vogelwelt

Balz Birkhühner
Foto: Jan Gläßer, Grießbach

Der Schutz der Vogelwelt lässt sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene noch sehr zu wünschen übrig. Die Europäische Vogelschutzrichtlinie, auf der er maßgeblich basiert, stammt aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und hat demzufolge schon reichlich Staub angesetzt. Den rasanten Entwicklungen in anderen Bereichen, vor allem der Landnutzung und der Infrastruktur, und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt hat sie wenig entgegenzusetzen. Sie kommt in der Praxis über ein Dasein auf dem Papier oft nicht hinaus. Die gute Absicht ist durchaus erkennbar. Die Vogelschutzrichtlinie hat erfreulicherweise zu einem Netz teils auch recht großzügig dimensionierter Vogelschutzgebiete geführt. Auch positive Bestandsentwicklungen bei bestimmten Arten sind nicht zu übersehen. Vor allem aber Arten der offenen und halboffenen Landschaften gehen weiterhin alarmierend zurück. Das Instrumentarium zur Umsetzung wirksamer Maßnahmen in der Praxis ist unzureichend und bedarf dringend der Verbesserung.