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Themenwege

Steinbach und Umgebung
Ein Hauch von „Wildnis“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steinbach und Umgebung
Ein Hauch von „Wildnis“

Teufelssteine bei Steinbach

„Wildnis ist eine Absage an die Arroganz des Menschen.
Aldo Leopold (1887-1948)

In der letzten Zeit ist vor allem durch die Tourismusbranche die Bezeichnung „wildes Erzgebirge“ für die Auersbergregion kreiert worden, sogar einen gleichnamigen Wanderweg zwischen Eibenstock und Sosa gibt es seit einigen Jahren. Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit sind klar, man will mit diesem zugkräftigen Begriff Gäste locken, durchaus legitim und verständlich, auch wenn man Wildnis im eigentlichen Sinne im Erzgebirge seit einigen hundert Jahren vergeblich sucht und auch die Tiere und die Menschen in diesem Landstrich  nicht viel wilder sind als andernorts.  Obwohl das Gebiet noch immer weitgehend von Wald bedeckt ist, Urwald gibt sich nicht mehr, der legendäre Miriquidi hat sich in Luft aufgelöst, höchstens naturnahe Wälder finden sich vereinzelt, wie in den Naturschutzgebieten „Bockautal“ zwischen Wildenthal und Eibenstock oder „Am Riedert“ zwischen Eibenstock und Carlsfeld. Aber selbst dort können wir Menschen unsere Finger nicht ganz aus dem Spiel lassen, wie allerorten, wie überall, heute wie eh und je.
Ab und an ist die Natur allerdings durchaus für eine Überraschung gut, ob man das nun gut finden mag oder nicht, und stellt sich selbst wieder eine Art „Wildnis“ her, zumindest für kurze Zeit, bis alles wieder schön „aufgeräumt“, Ordnung geschaffen und in die richtigen Bahnen gelenkt ist. Eines der besten Anschauungsbeispiele hierfür ist das Steinbachtal, dem man mit Vorliebe das Prädikat „wild-romantisch“ zuspricht und das sicherlich mit einer gewissen Berechtigung, wie wir auf unserer Wanderung noch feststellen werden.

Steinbachtal

Karte Steinbach

Wanderroute

Rundweg bei Steinbach (rot gekennzeichnet), ca. 11 km, etwa 3,5 Stunden,
für den Gelegenheitswanderer

Beschreibung der Wanderung

Bergwiese in Steinbach

Unsere Wanderung beginnt mitten in Steinbach », am Parkplatz gegenüber der Gaststätte und Pension Steinbach. Vor allem zur Zeit der Bergwiesenblüte sollten sie dem Ort unbedingt einen längeren Besuch abstatten, denn die Wiesen zwischen den Häusern sind sehr wertvoll und gehören zum FFH-Gebiet „Mittelgebirgslandschaft bei Johanngeorgenstadt“ ». Aber nicht nur die Wiesen, auch der Ort selbst ist sehenswert, hat seinen ganz eigenen Charakter und man sollte ihn zu keiner Zeit einfach links liegen lassen.
Um unsere eigentliche Wanderung zu beginnen, überqueren wir die Straße und gehen etwa 250 Meter in Richtung Neustadt von Johanngeorgenstadt, ehe wir nach links auf die Steinbachtalstraße einbiegen. Nach kurzer Zeit kommen wir an die Schimmelwiese und an ein einzeln stehendes Haus mit Nebengebäuden und halten uns kurz danach links an den Naturlehrpfad Steinbachtal (grüner Schrägstrich), dem wir jetzt geraume Zeit folgen und auf dem wir mit Hilfe von Informationstafeln über das Steinbachtal » und dessen Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten informiert werden. Er gehört wohl zu den interessantesten Waldwanderwegen, die wir in der Gegend haben, führt uns über Stock und Stein den Steinbach entlang, durch eine Landschaft, die sich gerade in letzter Zeit immer wieder stark verändert hat und der man eine gewisse „Wildheit“ nicht absprechen kann. Drei Naturereignisse waren es, die dieses Tal in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geprägt haben. Anfang Juli 1931 goss es auf dem Kamm im Gebiet des Kleinen Kranichsees wie aus Kannen und das zusammenströmende Wasser richtete im Steinbach- und Schwarzwassertal große Verwüstungen an.  Im Juli 2005 fegte ein Wirbelsturm über das Gebiet und im Januar 2007 der Orkan „Kyrill“. Große Teile des alten Fichtenwaldes wurden zerstört und werden nun zu einem Bergmischwald umgebaut. Zurzeit sind die Spuren der Naturereignisse noch unübersehbar. Aber in wenigen Jahren wird sich das Gesicht des Steinbachtals erneut verändert haben.
Wir kommen an einem stillgelegten Steinbruch vorbei, in dem früher Granit für den Bau der Johanngeorgenstädter Neustadt gebrochen wurde und der uns durch seine schöne Farbgebung und seinen interessanten Bewuchs fasziniert. Ein Höhepunkt des Steinbachtales sind natürlich die Teufelssteine, eine der eindrucksvollsten Felsformationen des Westerzgebirges. Sie bestehen aus Eibenstocker Turmalingranit, aus dem Wasser und Frost bizarre Formen herausgearbeitet haben, die der Phantasie viel Raum geben. Wir halten uns weiter an den Bergbaulehrpfad und überqueren nach geraumer Zeit den Vorderen Milchbach, einen noch recht intakten, naturnahen Waldbach, kommen an den Milchbachweg, dem wir aber nur wenige Meter nach links folgen, ehe wir uns wieder links halten Richtung Riesenberger Häuser (roter waagerechter Strich). Wir durchqueren bald das Flächennaturdenkmal „Wiese Riesenberger Häuser“ und gehen an den Riesenberger Häusern wieder links in Richtung Auersberg (roter waagerechter Strich). An der Wegkreuzung Kleiner Stern gehen wir in Richtung Saumschwemme (gelber waagerechter Strich). Am Beginn von Sauschwemme », das wir aber unbedingt etwas näher begutachten sollten, um genau wie in Steinbach noch einmal festzustellen, wie angenehm etwas „Wildnis“ ums Haus und im  Garten » sein kann, halten wir uns links an den berühmten Kammweg (blauer waagerechter Strich) und laufen Richtung Steinbach, kommen dabei an einigen einzeln stehenden Häusern vorbei, wieder umgeben von wertvollen, artenreichen Bergwiesen. Wir überqueren die Straße nach Johanngeorgenstadt (S272), setzen unseren Weg durch den Wald entlang des Steinbachs fort und bald haben wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung erreicht.

Besonderheiten

FFH-Gebiet „Mittelgebirgslandschaft bei Johanngeorgenstadt“ / Naturschutzgebiet „Friedrichsheider Hochmoor“

FND "Wiese Riesenberger Häuser"

Das Gebiet ist 467 Hektar groß und besteht aus verschiedenen Wald- und Offenlandbereichen mit typischen Lebensräumen der Mittelgebirgslandschaft, darunter wertvolle, teilweise sehr artenreiche Bergwiesen, Borstgrasrasen und Heidebereiche, Moore verschiedener Ausprägung, Still- und Fließgewässer und natürlich verschiedene Waldgesellschaften wie Fichten-Buchenwäldern, montanen Fichtenwäldern sowie Fichten- und Kiefernmoorwäldern.
Das Gebiet ist recht zersplittert und besteht aus 6 Teilgebieten: Friedrichheide - Riesenberger Häuser, Hinterer Märzenberg - Rote Grube, Schwefelbach Oberlauf, Steinbach - Sauschwemme, Teufelssteine - Himmelfahrt, Wiesenhang am Külliggutweg.

NSG "Friedrichdheider Hochmoor"

Im FFH-Gebiet befindet sich das Naturschutzgebiet „Friedrichsheider Hochmoor“, 19 Hektar groß, ausgewiesen im Jahr 1967, der Rest eines Wasserscheiden-Hochmoores mit intaktem Moorkern. Ein Kleinod im NSG ist ein ausgezeichnet ausgebildeter Spirken-Moorwald, einer der besten in Sachsen und somit von landesweiter Bedeutung. Zumindest dort könnte man, wenn man hineindürfte, einen Hauch von Wildnis erhaschen. Auch dieses Gebiet wurde zwar, wie könnte es anders sein, zum Teil abgetorft, etwa bis 1950, aber es hat sich doch sehr gut revitalisiert und dürfte wohl schon einigermaßen dem entsprechen, was wir von Natur aus vor uns hätten. Man will den Kernbereich in Ruhe lassen, was sehr zu begrüßen ist.
Außerdem befinden sich im FFH-Gebiet die Flächennaturdenkmale „Wiese Rote Grube“, „Wiese Riesenberger Häuser“, „Wiese Hoffnung“ und „Wiese am Rehhübel“. Im Westen überschneidet sich das FFH-Gebiet mit dem Vogelschutzgebiet „Westerzgebirge“.
Das Gebiet ist Lebensraum gefährdeter Arten wie Arnika, Wald-Läusekraut, verschiedene Torfmoose, Orchideen usw. Zurück »

Steinbach / Sauschwemme

Steinbach

Dass Steinbach mit einer Höhenlage von 800 m keine bäuerliche Ansiedlung darstellt, versteht sich von selbst. Der umfangreiche Bergbau im Areal um den Auersberg war die Ursache für die Entstehung der Streusiedlung im 16. Jahrhundert, die im Jahr 1951 Johanngeorgenstadt angegliedert wurde. Ackerbau spielte im Ort kaum eine Rolle, sondern die Grünlandwirtschaft war immer dominant. Die auffällig vielen Heuschuppen und Scheunen legen noch heute Zeugnis davon ab, auch wenn sie jetzt häufig anderen Zwecken dienen.

Sauschwemme

Ähnliches gilt für die noch etwas höher gelegene Ortschaft Sauschwemme, die 1845 unter die Verwaltung von Steinbach gestellt wurde. Zurück »

Steinbachtal

Die Quellbereiche des Steinbachs bilden ein engmaschiges System von Wasserläufen, das stellenweise an ein Spinnennetz erinnert. Die wichtigsten von ihnen liegen im Gebiet der Sauschwemme, am Osthang des Rehhübels und im Gebiet des Kleinen Kranichsees. Zuerst schleichen der Steinbach und seine Zuflüsse durch mooriges Gelände geradezu gemütlich dahin, bis es nach dem Ort Steinbach in Richtung Erlabrunn steiler wird, der Bach sich tief ins Gelände eingräbt und mit ziemlich großen Steinen förmlich zu spielen scheint, sie ablegt, wo es ihm gerade gefällt. In Erlabrunn mündet das etwa 8 Kilometer lange Gewässer ins Schwarzwasser. Zurück »

Steinbach

„Wildnis“ ums Haus und im Garten

„Wie unterschiedlich die Vorstellungen von Natur bei Menschen sind, spiegelt sich in ihren Gärten. Während die einen jedes Gänseblümchen als Angriff auf ihre Sauberkeitskultur empfinden, macht es anderen gar nichts aus, wenn die Brennesseln zum Fenster reinwachsen.“
Beate Seitz-Weinzierl

Es soll ja eine zunehmende Zahl von Menschen geben, die den Garten als eine Art „Küche im Freien“ betrachten und das nicht nur während  der Grillabende. Jeder Art von „Unordnung“ wird der Kampf angesagt, ihr muss natürlich auf der Stelle Einhalt geboten werden. Der Rasenmäher oder Rasentraktor wird zum wichtigsten, geradezu unverzichtbaren „Küchengerät“. Jeder Blütenkopf, der sich aus der Deckung wagt, wird als ein unerhörter Frevel, ein Angriff der „Wildnis“ auf die schwer erarbeitete „Zivilisation“ betrachtet. Eine unberührte Ecke, in der Schmetterlinge Nahrung finden oder Insekten überwintern könnten, ist undenkbar, ein Ding der Unmöglichkeit.
In Steinbach und in Sauschwemme ist das zum Glück nicht so, zumindest nicht überall. Dort finden sich um die Häuser herum und sogar in manchen Gärten noch wunderbare blütenbunte Wiesen, wo nicht nur das Gänseblümchen, sondern eine Vielfalt von Blumen und Kräutern ihre Blütenköpfe der Sonne entgegenstrecken dürfen. Diese Wiesen nehmen bei den Bergwiesenwettbewerben des Landschaftspflegeverbandes regelmäßig vordere Plätze ein und zählen zweifelsohne, zusammen mit ihren „Schwestern“ im nicht weit entfernten Oberjugel, zu den wertvollsten und schönsten  Lebensräumen, die wir in der Region finden können.

Bergwiese in Sauschwemme

Hoffen wir, dass die meist älteren Herrschaften, denen wir diese Pracht zu verdanken haben, die ihre Hauswiesen mit viel Hingabe bewirtschaften, noch einige Jährchen durchhalten, ehe sie Sense und Rechen aus der Hand legen oder dass sie vielleicht sogar ähnlich veranlagte Nachfolger und Nachahmer finden. Wahrscheinlich ein etwas zu frommer Wunsch, das mag sein. Zurück »

Wildnis

Unter Wildnis im eigentlichen Sinne versteht man ja vom Menschen unberührte oder zumindest wenig berührte Gebiete, ein rares Gut, denn wenn man es ganz genau nimmt, gibt es ja heute auf diesem weiten Erdball kaum einen Quadratmeter mehr, der vom Menschen gänzlich unbeeinflusst ist. Für das dicht besiedelte Erzgebirge, wie für viele ähnliche Gegenden auch, gilt dies natürlich im ganz besonderen Maße und so finden wir weder einen Wald, noch ein Moor, noch ein Fließgewässer, die sich sozusagen von Urzeiten her bis in die Gegenwart ohne einschneidende Veränderungen herüberretten konnten. Aber selbst heute scheut man sich, der Natur einmal Freiheit zu geben, Wildnis entstehen zu lassen, von einigen Moorbereichen und den äußerst dünn gesäten und klitzekleinen Naturwaldzellen einmal abgesehen - so nennt man in Sachsen die Waldbereiche, in denen gegenwärtig keine Bewirtschaftung mehr erfolgt. Es gibt zurzeit nur 8 Stück, alle mit einer Größe um die 40 Hektar. Insgesamt ein Flächenanteil von 0,06 % an der Waldfläche Sachsens, das ist der letzte Platz im Bundesvergleich. Im Auersberggebiet finden wir keine einzige, die nächsten liegen bei Schöneck und Rittersgrün. Es ist schade, dass es keine Möglichkeit gibt, Wildnis, oder wenigstens Ansätze dazu, bestaunen zu dürfen.
Sturmwurfflächen beispielsweise wären eine günstige Gelegenheit, zumindest auf einem Teil von ihnen einmal ein Experiment zu machen und den gestürzten Wald in Ruhe zu lassen. Aber man traut der Natur scheinbar nicht über den Weg, obwohl es in anderen Teilen Deutschlands, wenn auch nach harten Widerständen, durchaus positive Erfahrungen gibt. Auch die Erzgebirger der kommenden Generationen werden also, genau wie wir, verreisen müssen, wenn sie einmal einen Urwald oder Ansätze dazu begutachten möchten.
Auch für die Erfordernisse des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 wären mehr Wildnisgebiete erforderlich. Aber in dieser Hinsicht hat sich bisher relativ wenig getan.
Bis auf weiteres müssen wir uns wohl mehr oder weniger mit den „kleinen Wildnissen“ zufrieden geben, wenn man einmal so sagen darf: der Brachfläche, dem Altgrasstreifen am Wiesen- oder Feldrand, der „Schmuddelecke“ im Garten, dem Löwenzahn, der durch den Beton bricht, usw. Sie zeigen, was für eine Bereicherung „Wildnis“ für die Tier- und Pflanzenwelt darstellt und welch großartige Naturerlebnisse uns damit geboten werden. Nicht nur im Wald, überall kann ein kleines Stück „Wildnis“ zur wahren Oase für Tiere und Pflanzen werden und zu einem schier unerschöpflichen Fundus für Naturbeobachtungen. Und nicht zuletzt sind es Zeichen, dass die Natur noch Kraft hat, Zeichen, die Mut machen können, auch wenn sie immer seltener werden.
Eines steht jedenfalls fest, wir brauchen unbedingt mehr „Wildnis“, sowohl im eigentlichen Sinne, im Wald und im Moor, am Bach oder Fluss; als auch im übertragenen Sinne, im Garten, am Wiesen- und Feldrand oder wo auch immer. Natur- und Kulturlandschaft haben beide ihre Berechtigung, müssen sich ergänzen und gegenseitig bereichern. „Ordnung ist das halbe Leben“ sollte nicht zum allumfassenden Motto werden. Gerade das Leben braucht nämlich auch die Unordnung, das Wilde, das Unberührte, sonst verliert es an Vielfalt und Schönheit.

Garten in Saumschwemme